Das Schiff ist jetzt auf dem Weg zum Mond. Nach 56 Stunden Flug spürt es dessen Anziehungskraft bereits stärker als jene der Erde. Kommandant ist der 40-jährige ehemalige Kampfpilot Frank Borman. Der gleichaltrige Pilot Jim Lovell war einst bei der US-Navy im Einsatz. Die beiden kennen einander gut, von ihrem gemeinsamen Flug mit der zweisitzigen Gemini 7. Keine Weltraumerfahrung bringt hingegen William Anders mit, ein ehemaliger Kampfpilot der Air Force.

Jeder der drei Männer hat zwei Kubikmeter Platz. Das kegelförmige Kommandomodul ist an der Basis 3,9 Meter breit, verjüngt sich aber rasch. Vor den Köpfen der Astronauten prangt eine Instrumententafel mit 566 Schaltern, 71 Lampen und 40 Zeigern. Nicht unter Druck steht das angeschlossene, zylindrische Servicemodul. Es beherbergt unter anderem Treibstofftanks und Funkgeräte. An seinem unteren Ende ragt eine riesige Düsenglocke mit 2,5 Meter Durchmesser heraus: Von diesem überdimensionierten Triebwerk hängt das Leben der Astronauten ab.

Um in den Mondorbit einzuschwenken, muss es vier Minuten lang feuern - und zwar hinter dem Mond, ohne Kontakt zur Bodenstation. "Wir sehen euch auf der anderen Seite", verspricht Lovell. Dann reißt die Funkverbindung wie erwartet ab. Ein 32 Minuten dauerndes, am Ende nervenstrapazierendes Rauschen tönt aus den Lautsprechern.

Legendäres Foto von Apollo-8-Astronaut William Anders: Die zerbrechlich anmutende Erde, die über dem Mond aufgeht. - © NASA
Legendäres Foto von Apollo-8-Astronaut William Anders: Die zerbrechlich anmutende Erde, die über dem Mond aufgeht. - © NASA

Man schreibt den 24. Dezember 1968. An diesem Tag umkreisen Menschen zum ersten Mal einen anderen Himmelskörper, sehen eine fremde Welt aus unmittelbarer Nähe. Die Astronauten blicken aus einer Höhe von 114 Kilometern auf die kraterzernarbte Mondoberfläche hinab. Sie studieren vor allem jene Gebiete, in denen ihre Kameraden später landen wollen. Der Mond präsentiert sich als völlig farblose Welt, grau wie Straßenpflaster.

Ganz anders mutet die Erde an, die sich aus der Perspektive der Raumfahrer alle 129 Minuten aufs Neue über den Mondhorizont hebt. William Anders hält einen solchen Moment auf Farbfilm fest: Obwohl automatische Sonden bereits Ähnliches vollbracht haben, wird sein Foto Earthrise zur Ikone der Umweltschutzbewegung: Es zeigt den Planeten Erde als fernes Raumschiff; einzigartig, aber auch höchst fragil.

Eine TV-Live-Übertragung steht an. Die NASA hatte die Astronauten gebeten, sich "etwas Passendes" zum Weihnachtsfest einfallen zu lassen. Nun lesen sie abwechselnd aus dem Buch "Genesis": "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde . . .". Noch nie waren Menschen so weit von ihrer Heimat entfernt.

Nach zwanzig Stunden im Mondorbit muss das Apollo-Triebwerk neuerlich zünden, um den Rückflug zur Erde einzuleiten. Wieder geschieht dies auf der erdabgewandten Mondseite, wieder wartet Houston mit Spannung auf die Wiederkehr des Funkkontakts. Schon der Zeitpunkt wird verraten, ob das entscheidende Manöver geklappt hat. "Hiermit sei Ihnen allen gesagt", schält sich Lovells Stimme ganz pünktlich aus dem Rauschen, "es gibt tatsächlich einen Weihnachtsmann."