"Time"-Cover. - © Hector Garrido
"Time"-Cover. - © Hector Garrido

Das Service-Modul wird eine Stunde vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre abgesprengt. So kommt der fünf Zentimeter dicke Hitzeschild zum Vorschein, der die rasende Kapsel vor dem Verglühen schützt. Denn ihres hohen Tempos wegen erhitzt sie die Luft auf 2800 Grad Celsius. Das Schiff wassert am 27. Dezember im Pazifik - und zwar recht nahe beim Flugzeugträger. Von nun an wird man die Bergungsschiffe sicherheitshalber in größerem Abstand stationieren. Das "Time"- Magazin kürt die drei Raumfahrer zu den "Männern des Jahres 1968". Jim Lovell wird den Mond 1970 nochmals umrunden, als Kommandant der unglücklichen Apollo 13.

Die gelungene Mondumkreisung beendet ein für die USA sonst bitteres Jahr: Martin Luther King und Robert Kennedy sind ermordet worden; die Tet-Offensive machte deutlich, wie sehr man die nordvietnamesische Armee unterschätzt hat. Die sowjetischen Raumfahrer werden angesichts des amerikanischen Erfolgs von widersprüchlichen Gefühlen geplagt. Wie Nikolai Kamanin festhält, bewundern sie den Mut ihrer US-Kollegen; während der Apollo-8-Mission sind sie sogar in die eisige Nacht hinaus geschritten und haben still zum Mond hochgeschaut. Die Kosmonauten ahnen aber auch: Das Wettrennen ist jetzt so gut wie verloren.

Sowjetische Besorgnis

Nur mit einer bemannten Landung auf dem Mond könnte man die Amerikaner noch übertrumpfen - doch die ist laut Kamanin zwei, drei Jahre entfernt. Auch, weil die neue sowjetische Mondrakete N1 noch zu keinem einzigen Testflug angetreten ist. Im Dezember 1968 trainieren etliche Kosmonauten für eine Mondumrundung oder eine Mondlandung. Einer von ihnen ist Alexei Leonow, der 1965 den allerersten "Weltraumspaziergang" absolviert hat.

"Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass mir alles entglitt", schreibt er später über die Stunden nach dem US-amerikanischen Triumph: "Ich sah schon kommen, wie sich meine Träume in Luft auflösten. Es kam mir vor, als wäre alles, wofür ich die letzten Jahre so hart gearbeitet hatte, nutzlos geworden. Die Vorstellung, die Verantwortlichen könnten unser Programm der bemannten Mondumrundung stoppen, erfüllte mich mit tiefer Besorgnis." Leonow sollte Recht behalten. Kein einziger Bürger der Sowjetunion bzw. Russlands wird es zum Mond schaffen.