Der Suez-Kanal war eine der Fronten im Jom-Kippur-Krieg. - © Getty Images/Geneviève Chauvel
Der Suez-Kanal war eine der Fronten im Jom-Kippur-Krieg. - © Getty Images/Geneviève Chauvel

Am 6. Oktober 1973, Samstag, Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, griffen ägyptische und syrische Truppen in einer koordinierten Aktion gegen 14 Uhr israelische Stellungen an zwei Fronten gleichzeitig an: am Suezkanal und auf den Golanhöhen.

Im Gefühl des Sieges von 1967 wurde Israel von dem Angriff vollkommen überrascht. Der Direktor des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, Zvi Zamir, hatte dafür später folgende Erklärung: "Wir haben einfach nicht geglaubt, dass die Araber das konnten. Wir haben sie verachtet." Weder der Mossad noch AMAN, der wichtigere militärische Geheimdienst, hatten die Gefahr kommen sehen.

Die Syrer verfügten über 930 Panzer, 930 Geschütze und 30 SAM- Raketenbatterien, dazu zwei Panzerdivisionen mit 460 Panzern in Reserve. Dem standen nur 177 israelische Panzer gegenüber! Am Vormittag des 7. Oktober hatten die syrischen Verbände die Verteidigungslinie auf den Golanhöhen durchbrochen und stießen ins Jordantal vor. Verteidigungsminister Moshe Dajan beschrieb die syrischen Soldaten später so: "Sie kämpften besser als 1967, sie waren entschlossen und fanatisch. Für sie war es wie ein Heiliger Krieg."

"Wie in alten Zeiten"

Israel verlor 100 Panzer, die restlichen hatten keine Munition mehr. "Der Dritte Tempel [der Staat Israel] ist in Gefahr", so Dajan zum Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General Benny Peled. "Im Sinai gibt es nur Sand, hier [auf dem Golan und dem Jordantal] stehen unsere

Häuser." Die Lage war ernst. Wie ernst, macht der Befehl von Ministerpräsidentin Golda Meir deutlich, 13 Jericho-Raketen - Reichweite 500 km - mit Atombomben (Sprengkraft jeweils 20 Kilotonnen TNT; die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen) zu bestücken und startklar zu machen.

Die Lage an der Suezfront war genauso katastrophal wie auf dem Golan. In der ersten Minute ihres Angriffs hatten die Ägypter 10.500 Granaten auf die Israelis gefeuert und gleichzeitig mit Hochdruckwasserpumpen Schneisen in den zehn Meter hohen, zumeist aus Sand bestehenden Wall für einen Durchbruch geschossen. Auf elf Pontonbrücken hatten sie anschließend den Kanal überquert. Am 7. Oktober befanden sich 100.000 Soldaten, 1020 Panzer und 13.500 Militärfahrzeuge auf dem Ostufer und stießen unter dem Schutz ihrer von den Sowjets gelieferten SAM-Raketen 20 km vor.

Eine israelische Gegenoffensive am 8. Oktober, Montag, scheiterte und wurde zu einem "Albtraum für jede Panzerbesatzung", wie General Ariel Sharon das Desaster beschrieb. Hunderte Soldaten fielen, es gab zahlreiche Gefangene, 400 Panzer und 49 Flugzeuge, davon 14 Phantomjäger, gingen verloren.