Nach der Matura ging Franzos nach Wien, um Jus zu studieren. Bald nach der Inskription an der Universität wurde er Mitglied der damals neu gegründeten schlagenden Burschenschaft Teutonia. Siebzehn Jahre lang sollte er deren Mitglied bleiben, dann wurde er nach der Einführung eines "Arierparagraphen" ausgeschlossen. Franzos konnte in Wien allerdings nie richtig Fuß fassen und zog deswegen nach Graz weiter.

Auch dort trat er einer Burschenschaft bei und kam wegen seiner deutschnationalen Gesinnung mehrmals in Konflikt mit den österreichischen Behörden. Die Ausrufung des deutschen Kaiserreiches begrüßte er überschwänglich, außerdem sprach er sich öffentlich für eine Lösung der deutschen Frage unter preußischer Führung aus, was ihm polizeiliche Untersuchungen und eine Geldstrafe eintrug.

Franzos konnte sein Studium rasch abschließen, stand danach aber vor der schwierigen Entscheidung, welche Karriere er einschlagen sollte: Als Jude war er vom Amt eines Richters ausgeschlossen, als Anwalt wollte er nicht arbeiten, und nach seinen Konflikten mit den Behörden war eine Anstellung im öffentlichen Dienst ausgeschlossen.

Während des Studiums hatte Franzos Artikel und Erzählungen veröffentlicht, die vom Publikum gut aufgenommen worden waren. Was lag also näher, als das Schreiben zu seinem Beruf zu machen? So kam es, dass er im Auftrag von Zeitungen Reisen in den Osten der Monarchie unternahm und etwa von der Eröffnung der Universität in seiner Heimatstadt Czernowitz berichtete.

1876 veröffentlichte Franzos die Sammlung "Aus Halb-Asien", die den Untertitel "Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina, Südrussland und Rumänien" trug. Er schuf sich damit sein eigenes Genre, denn diese Kulturbilder versammelten Reiseberichte, Erzählungen, Naturbeschreibungen und ethnografische Studien aus jener Gegend, die seiner Meinung nach nicht mehr Europa, aber auch noch nicht Asien war. Die ungewöhnliche Mischung machte sich bezahlt, Franzos feierte seinen Durchbruch und machte zugleich diese für viele Leser exotische und unbekannte Region einem breiten Publikum bekannt.

"Deutsche Dichtung"

Es folgte eine Zeit vielfältiger Interessen und Tätigkeiten: Neben dem Schreiben sammelte Franzos ukrainische Volkslieder, er übersetzte Gogol ins Deutsche und rettete die Werke Georg Büchners vor dem Vergessen, indem er die erste Gesamtausgabe dieses Autors herausbrachte. Außerdem gründete er eine literarische Zeitschrift, um junge Schriftsteller zu fördern, in der etwa auch Stefan Zweig seine ersten Gedichte veröffentlichen konnte.

Im Alter von 39 Jahren setzte er endlich ein schon lange geplantes Vorhaben, nämlich jenes, im so bewunderten Deutschland zu leben, in die Tat um. Franzos zog nach Berlin und gründete dort eine Zeitschrift mit dem programmatischen Titel "Deutsche Dichtung". Doch der Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt entsprach nicht den hohen, wohl auch übersteigerten Erwartungen. Er, der sich immer als Deutscher definiert hatte, wurde in Berlin vor allem als Jude gesehen und fand nicht wie erhofft Eingang in literarische Kreise. Zur Enttäuschung gesellte sich Unbehagen ob der geistigen Entwicklung Deutschlands. Der nationale Überschwang, der übersteigerte Patriotismus, "das Hurrahgeschrei von seiner eigenen Herrlichkeit und der Erbärmlichkeit aller anderen Völker" stimmten ihn nachdenklich.