Der Hochadel ersetzte sein Wirken für den Staat durch eines in den eigenen Besitzungen. Dabei war er meist erfolgreich, wie der Aufbau der Industrien in Böhmen und Mähren zeigt und die Groß-Landwirtschaften der Habsburger in Ungarn und Galizien. Auch das Bürgertum setzte sein Augenmerk auf wirtschaftliche Tätigkeiten. Sein politisches Engagement blieb, mit Ausnahme nationaler und sozialer Ziele, gering. Der "Staat" bestand letztlich aus dem Kaiser ergebenen Beamten und einem ebensolchen Offizierskorps. Der Einfluss der katholischen Kirche zugunsten des Staats und der Dynastie wirkte zwar noch, doch darf für die letzten Jahrzehnte nicht vergessen werden, , dass im niederen Klerus der südslawisch- und italienischsprachigen Regionen eine Keimzelle der Separationsbewegungen entstand.

Anlehnung an Berlin

Österreich-Ungarn war eine Großmacht. Doch ihre Außenpolitik litt unter Ambivalenz zwischen der vor allem seit 1878, dem "Danaergeschenk" Bosnien-Herzegowina, notwendigen Orientierung nach dem Balkan, der latenten Bedrohung durch das Zarenreich, und dem zweifelhaften Bündnis mit Italien - das aus seinem Drang nach "Trento e Trieste" keinen Hehl machte. In dieser Lage wurde die Anlehnung an Berlin als beste Alternative gesehen - sie war die von den Deutschen Österreichs und den Ungarn geforderte. Doch während des Weltkrieges und definitiv nach der "Sixtus-Affäre", in der Kaiser Karl im April 1918 gegenüber Deutschland Vertrauensbruch nachgewiesen wurde, wurde sie zur Fessel.

Die am 13. Mai folgende Militärkonvention mit der Unterstellung der k.u.k. Armee unter die (deutsche) Oberste Kriegsleitung wurde zum Todesurteil der Monarchie: Noch in den "14 Punkten" des US-Präsidenten Wilson vom 8. Jänner 1918 finden sich zur Donaumonarchie nur zwei Sätze über Kriegsziele: "A readjustment of the frontiers of Italy should be effected along clearly recognizable lines of nationality" - und "The peoples of Austria-Hungary, whose place among the nations we wish to see safeguarded and assured, should be accorded the freest opportunity to autonomous development." Doch im Juni 1918 wurde eine Tschecho-Slowakei von den Alliierten als kriegführende Macht anerkannt, damit die Auflösung Österreich-Ungarns antizipierend.

Dass der Krieg, in den die k.u.k. Soldaten und Offiziere, blumengeschmückt, im Sommer 1914 ausgezogen waren, im Glauben spätestens zu Weihnachten wieder zu Hause zu sein, im Sommer 1918 schon vier Jahre dauerte, war Drama - für die Gefallenen, Vermissten, Verwundeten und ihre Angehörigen, für die Gefangenen, Flüchtlinge und Deportierten. Aber die Dauer kostete auch den Habsburgern ihr Reich. Zwar waren 1914 die Niederlagen gegen Russland in den Steppen Galiziens und das Versagen der Führung gegen Serbien katastrophal, doch 1915 konnten die Fronten stabilisiert, ja mit der Kriegserklärung Italiens im Mai ein Gegner gefunden werden, gegen den zu kämpfen alle zustimmten - kurzfristig war der Krieg wieder populär.

Dies ausnützend, agierte die k.u.k. Kriegspropaganda geschickt. Sie konnte lange die Aussicht auf einen Siegfrieden verbreiten: die Besetzung Belgrads, der Sieg über Rumänien, der Ausfall der russischen Front nach der Revolution, der unerwartet weitreichende Sieg in der XII. Isonzoschlacht im Oktober 1917 - der k.u.k. und deutsche Truppen, allerdings mit Einsatz des geächteten Giftgases, bis weit nach Venetien führte -, im Frühjahr 1918 die "Brotfrieden" mit der Ukraine, Sowjetrussland und Rumänien. Alles Pyrrhussiege: Für die militärischen Transporte waren die Infrastrukturen so überbelastet worden, dass danach die Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebensmitteln nicht mehr möglich war. Hunger und Streiks griffen im Hinterland um sich, Desertionen begannen sich zu häufen.