Der Anfang vom Ende

Der Kaiser und sein Generalstab versuchten, gegen Italien in Venetien den Sieg herbeizuführen - durch Überquerung der Piave und den Talstoß vom Monte Grappa. Doch die Soldaten waren ausgemergelt, das Material nur mehr Ersatz, Munition Mangelware, die Führung uneins über die Taktik, keine deutsche Hilfe, und die Italiener durch britische, französische und erste US-Truppen unterstützt - schon im November 1917 hatten die Alliierten Italien die weitere volle Hilfe zugesichert.

Am 21. Juni, nach nur fünf Tagen, muss die Offensive abgebrochen werden. Im Oktober folgt eine italienische Offensive - Italien braucht für die Friedensverhandlungen eine überzeugende Ausgangsposition. Doch das Ende bahnt sich von einer anderen, bis dahin unbeachtlichen Front an: Nördlich von Saloniki steht die bulgarische Armee, nur von geringen deutschen und k.u.k. Truppen unterstützt, gegen eine französische Armee. Am 14. September greift diese an, die mit den Mittelmächten verbündeten Bulgaren ergeben sich und schließen Waffenstillstand. Von dort bis Budapest gibt es keine k.u.k Truppen, die den Vormarsch der Franzosen und Serben aufhalten könnten. Ungarn befiehlt seinen Truppen, aus Vene-tien zur Verteidigung der Heimat zu kommen; ähnlich verhalten sich andere nicht-deutsche Truppenteile - unter Berufung auf das Manifest Karls vom 16. Oktober. Am 26. Oktober löst Karl das Bündnis mit dem Deutschen Reich, am 29. befiehlt er einer k.u.k. Waffenstillstandskommission, mit einer weißen Fahne die Frontlinie südlich von Rovereto zu überschreiten.

Erst am 1. November kommt es in der Villa Giusti, zwischen dem italienischen Hauptquartier
Abano und Padua, zum Treffen mit der italienischen Delegation. Deren Entwurf des Waffenstillstandes verlangt absolute Kapitulation, Rückzug aller Truppen auf die Brenner-Linie und aus Istrien wie Dalmatien (die Italien im Londoner Vertrag vom April 1915 für den Kriegseintritt zugesichert worden waren) und freie Bewegung alliierter Truppen in Österreich.

Chaostage im November

Der Kaiser sucht die österreichischen Parteiführer und einen neuen

An diesem Tisch in der Villa Giusti wurde der Waffenstillstand am 3. November unterfertigt. - © Stadler
An diesem Tisch in der Villa Giusti wurde der Waffenstillstand am 3. November unterfertigt. - © Stadler

Generalstabschef in die Verantwortung einzubinden, vergebens. Schließlich befiehlt er die Unterschrift. Telegramme gehen an die Armeekommandanten, dass die Bedingungen angenommen wurden und die "Feindseligkeiten unverzüglich einzustellen" sind. Dies erfolgt aber gut zehn Stunden vor der Unterschrift in der Villa Giusti.

Als die österreichische Delegation dort von den Italienern informiert wird, dass die Unterschrift um 15 Uhr des 3. Novembers erfolgen soll und der Waffenstillstand erst 24 Stunden später in Kraft treten könne, da man diese Zeit brauche, um die Truppen zu informieren, will sie das AOK erreichen. Das gelingt nach Stunden. Dort wird versucht, den Feuereinstellungsbefehl zurückzunehmen, was das Chaos nur noch vergrößert.