Radierung von Gustave Doré: "Fahrt über den Styx", 1861. - © Wikimedia Commons
Radierung von Gustave Doré: "Fahrt über den Styx", 1861. - © Wikimedia Commons

Hermes ist der Gott der Reisenden. Er begleitet auch die Seele (griech.: Psyche) auf ihrem letzten Weg. Er agiert somit als Seelenbegleiter, als Psychopompos. Das griechische Wort "Pompé" bedeutet entweder "Geleit" oder "festlicher Aufzug". Das Bestattungsunternehmen heißt im Französischen daher "Pompes funébres". Von diesem Begriff leitet sich der Pompfüneberer ab: Im Wienerischen werden so die uniformierten, schwarz gekleideten Sargträger genannt.

Bei den alten Griechen gelangen die Seelen der Verstorbenen zunächst ans Ufer des Styx oder des Acheron. Dort wartet der grimmige Fährmann Charon auf sie - mit flammendem Blick und starrend vor Schmutz.

Um ins Totenreich überzusetzen, muss man dem Ritus entsprechend begraben oder verbrannt worden sein. Außerdem ist dem greisen Charon ein Fährgeld zu zahlen. Daher wird dem Verstorbenen eine Münze unter die Zunge gelegt. Andernfalls müsste sein Schatten für immer am Flussufer auf und ab wandeln.

Neun Tage und Nächte fiele ein eherner Ambos vom Himmel zur Erde herab, meint Hesiod. Neun weitere bräuchte er, um im Tartaros aufzuschlagen: Dieser finsterste Ort der ganzen Unterwelt ist von dreifacher Nacht und einer eisernen Mauer umfangen. Hier werden jene bestraft, die den Zorn der Götter auf sich zogen, sich gegen diese stellten oder sich für allzu mächtig hielten.

In dieser "Stätte der Frevler" büßt zum Beispiel König Ixion. Er hat seinen Schwiegervater ins Feuer geworfen und dann versucht, die Zeus-Gattin Hera zu verführen. Als er sie schließlich vergewaltigen wollte, schob ihm Zeus ein täuschend ähnliches Wolkengebilde unter. So zeugte Ixion das ungestüme, triebhafte Geschlecht der Kentauren. Er selbst wurde an ein brennendes, sich ewig drehendes Rad gebunden.

Der König Tantalos soll den Göttern Nektar und Ambrosia gestohlen und ihnen dann das Fleisch seines Sohnes aufgetischt haben. Nun, im Tartaros steht ihm das Wasser bis zum Hals: Möchte der Durstige davon trinken, versiegt es jedoch in der schwarzen Erde. Will er seinen Hunger an den lockenden Äpfeln, Birnen, Feigen und Oliven über seinem Haupt stillen, reißt der Wind die Äste empor. Noch heute leiden wir Tantalusqualen, wenn etwas heiß Begehrtes nahe, aber doch unerreichbar ist.

Sisyphusarbeit

Prometheus brachte den anderen Göttern bloß Knochen und Fett des Opferrinds dar, behielt das Fleisch jedoch listig für die Menschen zurück. Zeus versagte den Sterblichen daraufhin das Feuer. Prometheus holte es wieder. Zur Strafe ist er nun in unlösbare Fesseln gelegt. Ein Adler frisst seine Leber, die nachts in gleichem Maße nachwächst. Ähnlich ergeht es Tityos, der einst eine Geliebte des Zeus verschleppen wollte. Seine Leber wird von zwei Geiern verspeist.

König Danaos sah sich gezwungen, seine fünfzig Töchter mit den fünfzig Söhnen seines Zwillingsbruders zu verheiraten. Von einer abgesehen, erdolchten sie die ungeliebten Gatten noch in der Hochzeitsnacht. Nun müssen die Witwen ein allzu löchriges Fass im Tartaros befüllen - eine niemals enden wollende Mühsal. Davon leitet sich unsere Redensart vom "Fass ohne Boden" ab: So manch ein Projekt scheint niemals fertig zu werden.