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Genf. (est) Tödliche Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Hochwasser und Hungersnöte: Die Folgen der Erderwärmung drohen zur Katastrophe zu werden. Trotzdem verpufft die Menschheit immer mehr Treibhausgase. Deren Konzentrationen in der Atmosphäre sind so hoch wie noch nie seit Beginn der Messungen. Das berichtete die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf am Donnerstag.

"Es gibt keine Anzeichen für eine Umkehr des Trends, der zu langfristigem Klimawandel, Meeresspiegelanstieg, Versauerung der Meere und extremen Wettersituationen beiträgt", warnt die WMO in ihrem Jahresbericht 2018, der auf Daten aus dem Jahr 2017 beruht. "Ohne eine Verringerung von CO2 und anderen Treibhausgasen wird der Klimawandel auf der Erde zerstörerische und unumkehrbare Folgen haben", sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas eineinhalb Wochen vor der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz. Das Zeitfenster, um die Erderwärmung in den Griff zu kriegen, schließe sich: "Die Chance, noch einzugreifen, ist schon fast vertan."

Verbotenes Kühlmittel CFC-11


"Das letzte Mal, dass die Erde eine vergleichbare CO2-Konzentration erlebt hat, ist drei bis fünf Millionen Jahre her", sagte Talaas. Berechnungen zufolge sei die Durchschnittstemperatur auf der Erde damals um zwei bis drei Grad höher gewesen als heute.

2017 stiegen die CO2-Konzentration nach Angaben der WMO auf 405,5 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) nach 403,3 im Jahr 2016. Der Report erfasst auch Höchststände bei weiteren Treibhausgasen - wie Methan, Lachgas und dem Ozonschicht-Killer Trichlorfluormethan (CFC-11). Das längst verbotene Kühlmittel zählt zu den Fluorkohlenwasserstoffen (FCKW).

FCKW sind beständig, nicht brennbar, geruchlos und durchsichtig. Bei ihrem Abbau werden Chlor- und Fluorwasserstoffe freigesetzt, die die vor UV-Strahlung schützenden Ozon-Moleküle zerstören. 1987 wurde im Montreal-Protokoll der Einsatz von FCKW, etwa als Kältemittel in Kühlschränken oder als Treibgas für Sprühdosen und Schaumstoffe, stark eingeschränkt. Seit 2010 ist die Produktion verboten.

Nach Angaben der WMO wird das verbotene CFC-11 allerdings weiterhin in Ostasien hergestellt. Im Mai dieses Jahres hatte ein US-Forschungsteam sogar Hinweise auf neue Quellen für die Chemikalie gefunden. Der WMO-Bericht liefert Bestätigung. "Messungen der Treibhausgase in der Atmosphäre zeigen, dass die CFC-11-Anteile seit 2012 viel langsamer weniger werden. Die Konzentration sinkt um zwei Drittel weniger schnell als im Jahrzehnt davor", heißt es. "Die wahrscheinlichste Ursache sind zusätzliche Emissionen aus Produktionsstätten in Ostasien."

Das bedeutendste Treibhausgas ist Kohlendioxid oder CO2: Die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse verursachen 70 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Neben dem Bevölkerungswachstum, intensiverer Landwirtschaft und Abholzung tragen die Industrialisierung und der damit verbundene Einsatz fossiler Brennstoffe zu hohen Treibhausgaskonzentrationen bei.

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die globale Durchschnittstemperatur um etwa ein Grad Celsius angestiegen. Wenn die Menschheit ihre Treibhausgasemissionen nicht drosselt, könnte sich die Erde schon bis 2030 auf 1,5 Grad Celsius erwärmen. Das geht aus einem Sonderbericht des Weltklimarats IPCC hervor. Der IPCC malt auch ein Szenario für zwei Grad plus. Bei einer Erwärmung von diesem Ausmaß würde sich das Risiko für Dürren, Wirbelstürme und heftige Niederschläge auch auf der Nordhalbkugel stark erhöhen. Zusätzlich würde bis 2100 der Meeresspiegel um zehn Zentimeter mehr steigen als bei 1,5 Grad. Weitere zehn Millionen Küsten- und Inselbewohner würden dann ihren Lebensraum verlieren. In noch stärker versauerten Ozeanen würden sich Todeszonen ausdehnen, das Grundwasser würde ungenießbar.

Wenn nicht schnell gehandelt wird, ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens - eine Erderwärmung von "nur" 1,5 Grad Celsius - unerreichbar, warnt der IPCC. Der Klimawandel müsse jetzt gestoppt werden, doch "es braucht den politischen Willen", hob Joeri Rogelj, einer der Hauptautoren des Sonderberichts, bei einer Veranstaltung von Global 2000 diese Woche in Wien hervor. Handlungen müssten während der kommenden Dekade in allen Systemen, vom Energie-, Agrar- und Industriesektor bis hin zur Infrastruktur, gesetzt werden.