Wien. Weil der Mensch ihre Lebensräume zerstört, Krankheitserreger einschleppt, Pestizide über die Felder und Gärten sprüht und das Klima verändert, schrumpfen die Bestände der Pflanzen und Tiere weltweit - auch in Österreich - dramatisch. Um aufzuzeigen, welche Vielfalt und Ökosystem-Funktionen er damit zerstört, küren Experten jährlich repräsentative bis kaum wahrgenommene Arten zur "Natur des Jahres".

Das Tier des Jahres gibt es in Österreich offiziell gar nicht mehr, es gilt seit der Roten Liste aus dem Jahr 1989 als "ausgestorben, ausgerottet oder verschollen". Neue Untersuchungen machen allerdings Hoffnung, dass hierzulande doch noch eine kleine Population der "Europäischen Wildkatze" lebt, so der Naturschutzbund Österreich. Es gelte, sie zu fördern - und zu schützen.

20 Jahre nach seiner ersten Wahl ist erneut die Feldlerche Vogel des Jahres. Ein "sympathischer Wasserdrachen" sei er, der Lurch des Jahres, so die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie. Der Bergmolch "Ichthyosaura alpestris" ist besonders farbenfroh (orange, rot und/oder blau), lebt und laicht in Tümpeln und Straßengräben. Seine Wahl soll auf den generellen Rückgang der Amphibien aufmerksam machen. Seine Lebensräume seien durch Umweltgifte und Düngung bedroht.

Verlust der Lebensräume

Die Ameisenspringspinne wurde unter der Leitung des Naturhistorischen Museums Wien zur Spinne des Jahres gekürt. Anstatt ruckartig wie ihre Verwandten herumzuhüpfen, ahmt sie den geschmeidigen Ameisenlaufstil nach. Außerdem benutzt sie nur drei ihrer vier Beinpaare zur Fortbewegung, das Vorderpaar trägt sie erhoben, gleich den Antennen einer Ameise, und verdeckt damit zusätzlich ihre großen Mittelaugen, die sie als Spinne verraten könnten.

Die Blume des Jahres heißt Besenheide, auch "Calluna vulgaris". Durch die intensive Landwirtschaft wurde sie stark zurückgedrängt. Ihre Nominierung soll auf den Verlust dieses Lebensraums hinweisen. Die "Rostrote Mauerbiene" spielt wiederum eine Rolle bei der Verbreitung von Wildpflanzen und ist wichtig für Landwirtschaft und Gartenbau. Das wollen Naturschutzbund und Österreichische Entomologische Gesellschaft mit seiner Ernennung zum Insekt des Jahres würdigen.

Von der Pest bedroht ist das Wassertier des Jahres, so der Österreichische Fischereiverband. Der Edelkrebs "Astacus astacus" war hierzulande einst häufig, doch seine Gewässer wurden verbaut, verunreinigt, und mit Konkurrenten aus Nordamerika besetzt, die die Krebspest mitbrachten.

Die Flechte des Jahres ist ein Beispiel, wie man Arten durch eine Verbesserung der Umweltbedingungen wiedergewinnen kann. Die Breitlappige Schüsselflechte "Parmotrema perlatum" war wegen der Luftverschmutzung mit Schwefelgasen Ende des 20. Jahrhunderts in vielen Regionen Mitteleuropas nahezu verschwunden. Erst mit der Besserung der Situation konnte die Baumrinden-Bewohnerin wieder einwandern.

Zum Nutztier des Jahres ernannte "Arche Austria" die braun-schwarze Pinzgauerziege. Sie gilt als hochgefährdet. Alles andere als nützlich sei in den Gewässern der Goldfisch, der deshalb zum Eindringling des Jahres gekürt wurde. Er kann großen Schaden in Ökosystemen erwirken, weil er etwa die Eier von Amphibien frisst. Zum Pilz des Jahres wurde der Steppengras-Schwarzfußporling ernannt. Der Tigerschnegel wurde zum zweiten Mal das Weichtier des Jahres. Er ist eine große Nacktschnecke, die Eier und Jungtiere einer ungeliebten Verwandten verzehrt, der Spanischen Wegschnecke.