Wien. Die nationalen Wissenschafts-Akademien der EU-Länder sind überzeugt, dass sogenannte CCS-Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 in der Klimastrategie der EU an Bedeutung gewinnen müssen, um die Emissionen zu kompensieren. Weil es nicht gelinge, das Wachstum der globalen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid zu bremsen, würden solche Technologien immer wichtiger, heißt es in einem Bericht der Dachorganisation der europäischen Akademien EASAC, der auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften angehört. Darin äußern sich die Akademien allerdings auch kritisch zum Einsatz von Biomasse. Diese sei nicht automatisch eine nachhaltige Energieform.

Mit CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird CO2 aus Kraftwerksabgasen abgetrennt, um es im Anschluss dauerhaft unterirdisch einzulagern. Unklar ist allerdings, ob eine sichere Endlagerung tatsächlich für viele Jahrhunderte garantiert werden kann. Die Techniken sind noch im Entwicklungs- und Erprobungsstadium. Weil es "enorm riskant" sei, sich auf den künftigen Einsatz noch nicht erprobter CCS-Technologien zu verlassen, müsste die Reduktion der Emissionen weiterhin oberste Priorität haben, betonen die Experten.

Kombination bringt mehr

"Klimamodelle deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Anwendung von Technologien mit negativen Emissionen gepaart mit Maßnahmen zur Emissionsreduktion eine größere Chance bietet, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und katastrophale ökologische und soziale Auswirkungen zu vermeiden, als die Anwendung von CCS-Technologien in größerem Umfang im Laufe des Jahrhunderts", heißt es.

Um aber tragfähige CCS-Verfahren entwickeln zu können, wäre ein europäisches Forschungsprogramm nötig. Zur Anwendung solcher Technologien im erforderlichen Ausmaß wäre auch der Aufbau einer neuen Industrie notwendig, deren Größe jener für fossile Brennstoffe entspricht. Dies würde eine enorme Umverteilung von Ressourcen in der Wirtschaft verlangen.

Als "kostengünstigster und praktikabelster" Ansatz für eine CCS-Technologie wird in dem Expertenbericht ein Stopp der Entwaldung, Wiederaufforstung, die Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden und der Schutz von Feuchtgebieten genannt. Dies sei sowohl für Entwicklungs- als auch Industrieländer relevant. Allerdings sei die Kapazität dieser Kohlenstoffsenken innerhalb weniger Jahrzehnte ausgeschöpft.

Als "äußerst problematische Entwicklung" wird in dem Bericht die in großem Umfang betriebene Umstellung von Kohle auf importierte Biomasse gesehen, speziell die Einfuhr von Holzpellets aus anderen Ländern für die Stromerzeugung. Getrieben werde dies durch Regelungen, die Verbrennung dieser Biomasse als emissionsfrei zu bilanzieren. Dies ermöglicht Ländern, ihren im EU-Emissionshandelssystem deklarierten CO2-Ausstoß zu reduzieren, "obwohl diese Praxis ihre Emissionen tatsächlich erhöhen kann".

Erwärmung beschleunigt

Tatsächlich würden aber die geringere Energiedichte der Biomasse und die Emissionen aus der Lieferkette das Kohlendioxid in der Atmosphäre erhöhen und damit die globale Erwärmung beschleunigen. Für die EASAC leistet Energie aus Waldbiomasse keinen effektiven Beitrag zur Verringerung des Klimawandels und sollte daher nicht als nachhaltige Energieform bezeichnet werden, heißt es im Bericht.