In der Raumfahrt hat sich viel getan. Nach den Erfahrungen auf der bemannten Raumstation ISS könnte der nächste Schritt eine Raumstation sein, die um den Mond kreist, der übernächste eine Mondbasis. ESA-Generaldirektor Jan Wörner will ab Ende 2019 ein Monddorf errichten. Werden etwa für "Moon Village" bereits alltaugliche Fertigteilhäuser getestet?

Die ESA setzt keinen Architekturplan mit Kirche, Schule und Wohnhäusern um, sondern "Moon Village" ist ein Konzept. Es gibt einen gleichnamigen Verein, bei dem Firmen, Weltraumagenturen und Institutionen aus aller Welt Vorschläge einreichen können. Auch Privatpersonen wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, der aus seinem Taschengeld eine Milliarde US-Dollar in den Bau einer Rakete investiert, könnte mitmachen. Was herauskommt, wird so organisiert sein wie auf der Erde: Das Gemeindehaus wird öffentlich, Handel und Industrie werden privat finanziert. Das Interesse gilt unter anderem der Nutzung von Rohstoffen auf dem Mond, um ins All vorzudringen. Die Umsetzung wird jedoch viele Dekaden dauern. Allein das US-Weltraumbudget beträgt heute ein Achtel von jenem im Vorfeld der Mondlandung.

Was ist der nächste, sagen wir: handfeste Schritt weiter ins All?

Heuer im Herbst wollen die Mitgliedsstaaten beim ESA-Ministerrat ihren Beitrag zur federführend amerikanischen Mission "Lunar Gateway" beschließen. Dabei handelt es sich um einen Außenposten der Internationalen Raumstation ISS rund um den Mond. Das Ziel ist, Roboter und später auch Menschen zum Mond und weiter zum Mars zu schicken.

Auch über die Zukunft des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus soll entschieden werden. Seine Sentinel-Satelliten sammeln Daten zu Meerestemperatur, Ozon-Verteilung, Eisschichten und der Auswirkung der menschlichen Aktivitäten auf die Erdprozesse. Was ist für die nächsten drei Jahre geplant?

Copernicus 1 wurde vor 20 Jahren definiert. Damals lagen die Prioritäten bei Landwirtschaft und Ozeanografie. Im November schlage ich die nächste Finanzierungsstufe (von 2,4 Milliarden Euro, Anm.) vor. Die Mitgliedsländer haben die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens priorisiert. Um die Erdtemperatur auf 1,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzen zu können, muss diese nächste Satelliten-Generation messen, wie viel Kohlendioxid ausgestoßen wird, wie es sich global verteilt und wo die Quellen und Senken sind. Ein zweiter Schwerpunkt ist Afrika. Um Abwanderung zu verhindern, muss es dort Nahrungsmittel und Wasservorräte geben. Das geht nicht ohne Informationen zum Zustand vor Ort, auf denen Entwicklungsprognosen aufbauen. Von Brisanz ist auch die Arktis. Durch das Abschmelzen des Eisschildes öffnen sich neue Seewege. Das hat enormen Einfluss auf die Regionen, territoriale Ansprüche werden erhoben.

Kritiker sind der Ansicht, dass man weniger Geld für Weltraum-Technologie und Raumfahrt und mehr Geld zur Bekämpfung der Probleme hier auf der Erde aufwenden sollte. Wie viel geben wir wirklich aus?