Satellitendaten von 24.000 Orten in Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei und der Schweiz zeigen, "dass aktuell Wald auf einer Fläche von jährlich 3000 Quadratkilometern stirbt, das ist die Fläche Vorarlbergs und Wiens zusammen", berichtet Rupert Seidl vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur in Wien. War 1985 im Schnitt noch 0,5 Prozent der Waldfläche vom Baumsterben betroffen, war es 2015 ein Prozent pro Jahr. "Das heißt, dass sich die Mortalität in Mitteleuropas Wäldern in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt hat", betont Seidl. Er und sein Team haben auf 720.000 Satellitenbildern untersucht, wie viele Hektar Baumkronen verschwinden. Allerdings räumen die Forscher ein, dass heute ältere Bäume sterben, deren Kronen naturgemäß eine größere Fläche einnehmen. Warum dem so ist, wollen sie als Nächstes analysieren.

Bleibt das Problem der Verjüngung bei zunehmender Trockenheit. Während sich Jungbäume im Alpenraum gut entwickeln, sieht es im östlichen Waldviertel auch in dieser Messgröße schlecht aus. Im Vorjahr hätte die Landwirtschaftskammer hier Ausfälle von bis zu 80 Prozent verzeichnet, berichtet Schuster. Im Frühjahr werden die Bäume gesetzt. "Ob die Jungpflanzen in dem trockenen Boden überhaupt überleben, wird sich weisen", sagt er. "Waldbesitzer wissen schon gar nicht mehr, wann sie die Pflanzen setzen sollen. In manchen Gebieten, etwa im Horner Becken, staubt die Erde, wenn Sie mit einem Spaten hineinstechen." Wenn es nicht unmittelbar nach dem Setzen regnet, sterben sie ab.

"Kiefern sehen rot"

Im benachbarten Weinviertel wurde auf Eichen umgesattelt, die die trockeneren Bedingungen der Region verkraften. Zwei oder drei Grad mehr würden laut Experten aber auch der Eiche zusetzen. "Dann wäre das Weinviertel ein riesengroßer Safaripark", erklärt Schuster. "Für die Region muss man Bedenken haben."

"Kiefern sehen rot" titelte die "Forstzeitung" zur Lage der Schwarzkiefernbestände im niederösterreichischen Steinfeld. Die Schwarzföhren-Monokultur bei Wiener Neustadt wurde im 15. Jahrhundert im Auftrag von Kaiser Maximilian angelegt. Die Böden sind nur 20 bis 40 cm tief, darunter befindet sich Schotter. Der erste künstlich angelegte Wald Österreichs vermeidet Bodenerosion.

Doch auch die Schwarzkiefern werden von einem Pilz gefressen: Kaum eine Baumkrone, deren Nadeln nicht rostbraun verfärbt sind. Besonders wenn ein Baum unter Stress steht, hat Diplodia sapinea ein leichtes Spiel. In der Region fallen wenige Niederschläge und die Erderwärmung trägt ihren Teil dazu bei, dass es noch trockener wird, wodurch Pilzinfektionen zunehmend von den Trieben auf das Holz übergreifen. Behörden empfehlen bereits, bei Aufforstungen Kiefernpflanzen weit auseinander und dazwischen andere Baumarten zu setzen.

"Wenn wir 100 Jahre in die Zukunft blicken, werden im Steinfeld nicht mehr so viele Kiefern stehen. Sondern es wird ein Mischwald mit wärmetoleranten Baumarten, wie Eichen, Kirschen und Linden sein", sagt Schuster.