- © elmar gubisch - stock.adobe.com
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Dübendorf. Dank des Montreal Protokolls zum Schutz der stratosphärischen Ozonschicht von 2010 sind die Emissionen der ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) stark zurückgegangen. 2018 hatte jedoch eine Studie für Aufsehen gesorgt, dass die Emissionen eines der wichtigsten Ozonkiller, FCKW-11, seit mehreren Jahren trotz des weltweiten Verbots wieder steigen. Die Untersuchung eines Forscherteams mit Beteiligung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) bestätigt nun in "Nature" den Anfangsverdacht, dass die Emissionen aus Ostchina stammen.

Erste Hinweise dafür kamen bereits von zwei Messstationen in Ostasien, wie die Empa am Mittwoch mitteilte. Namentlich von der Gosan-Messstation auf der südkoreanischen Insel Jeju und der japanischen Messstation des National Institute of Environmental Science auf der Insel Hateruma bei Taiwan. "Solche Messungen zeigen immer dann Spitzenwerte in der Luftverschmutzung, wenn die Luftmassen aus Industriegebieten stammen", so Sunyoung Park von der Kyungpook National University in Südkorea. "Für FCKW-11 stellten wir fest, dass diese Spitzen nach 2012 deutlich höher waren als vorher."

Messdaten führten zu Quelle

Konkret handelt es sich um erhöhte Werte von Trichlorfluormethan (CFC-11). Die Chemikalie zählt zur Gruppe der Fluorkohlenwasserstoffe. FCKW zerstören Ozon-Moleküle, wodurch die Ozonschicht, die die Erde vor den ultravioletten Strahlen der Sonne schützt, ausdünnt. 1985 war über der Antarktis ein Loch in der Ozonschicht entdeckt worden. FCKW verweilen 44 bis 180 Jahre in der Atmosphäre. Dennoch hat in den vergangenen Jahren ein Regenerationsprozess eingesetzt und habe sich die Ozonschicht stabilisiert, wie Forscher vergangenen Herbst, wie die "Wiener Zeitung" berichtete, in "Science" bilanzierten. Ein Anstieg von CFC-11 führt jedoch zu einer langsameren Erholung.

Ein Forschungskonsortium aus 13 Institutionen führte nun anhand der Messdaten komplexe Computerberechnungen durch, um die Quelle der Emissionen ausfindig zu machen. So konnten diese so eindeutig auf den Osten Chinas zurückführen. Möglicherweise verursachen andere Länder oder Regionen in China zusätzliche FCKW-Emissionen, so die Empa. Weite Teile der Welt seien durch die bestehenden Überwachungsnetzwerke noch nicht genug abgedeckt. Die Nutzung chinesischer Messwerte sei noch eingeschränkt.

Ausbau der Messnetzwerke

Ein Ausbau der Messnetzwerke, besonders um industrialisierte Regionen, wäre laut Studienautor und Empa-Forscher Stefan Reimann wünschenswert. Ein solches Netzwerk wäre nicht nur für die Erkennung verbotener Gase wie CFC-11 enorm wertvoll, sondern auch für die Überprüfung der offiziell gemeldeten nationalen Treibhausgasemissionen. Die Forscher konnten in ihrer aktuellen Studie zwar nicht die FCKW-11-ausstoßenden Industriezweige identifizieren, aber die Herkunft aus dem Osten Chinas sei nun bewiesen.

Es sei nahezu sicher, dass diese Emissionen gegen das Montreal Protokoll verstoßen, das die emissive Verwendung dieser Substanz verbietet. "Vermutlich entstehen sie bei der Herstellung von Schaumstoffen, bei der ein großer Teil der Substanz nicht im Schaum verbleibt, sondern unmittelbar in die Atmosphäre entweicht", so Reimann. Diese Anwendung ist seit 2010 weltweit verboten.

Die Environmental Investigation Agency und die "New York Times" hatten bereits chinesische Schaumstoffhersteller als mögliche FCKW-Quelle ausgemacht. Chinesische Behörden identifizierten und schlossen inzwischen illegale Produktionsstätten.