Wien/Weßling. Der Klimawandel ist in aller Munde - in Hitzeperioden wie dieser Tage umso mehr. Aktuellen Daten der UN-Weltmeteorologieorganisation zufolge sind die letzten fünf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Im französischen Carpentras wurde am Freitag mit 44,3 Grad Celsius der höchste Wert der Historie gemessen. Neben vielen Effekten auf Natur und Umwelt scheint damit auch die Gesundheit des Menschen in großer Gefahr zu sein. Ein Spezialbericht des Forschungsverbunds "Austrian Panel on Climate Change" zeigt nun auf, dass die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit bereits heute spürbar und als zunehmende Bedrohung für die Gesundheit einzustufen seien, formulieren die Experten. Im Fokus steht dabei die Hitze.

Zum wachsenden gesundheitsgefährdenden Faktor wird die Hitze "sowohl wegen des kontinuierlichen Temperaturanstiegs im Sommerhalbjahr, der Zahl der Hitzetage und der Dauer der Hitzeereignisse als auch wegen der fehlenden nächtlichen Abkühlung", heißt es in dem Spezialbericht "Gesundheit, Demographie und Klimawandel". Werde der Klimawandel nicht eingedämmt, dürfte sich die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius vermutlich verdoppeln, bis 2100 womöglich verzehnfachen.

Bei einem "moderaten Klimawandel" müsse man in Österreich mit jährlich zumindest 400 Hitzetoten im Jahr 2030 und über 1000 Fällen bis Mitte des Jahrhunderts rechnen. Betroffen wären vor allem ältere Menschen, deren Anteil an der Bevölkerung aufgrund der demographischen Entwicklung zunimmt, sowie städtische Gebiete, in denen es "zügig umgesetzter städteplanerischer Maßnahmen" etwa zu Entschärfung von Hitzeinseln bedürfe.

Allergien und Stechmücken

Mit den steigenden Temperaturen einhergehe mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein "verstärktes Auftreten von Allergien". Durch die Verlängerung der Pflanzenwachstumssaison komme es einerseits zur Vermehrung heimischer allergener Pflanzen sowie andererseits zum verstärkten Einwandern neuer Pflanzen- und Tierarten, die für Allergiker problematisch werden können. Weiter ein Treiber der Pollenbelastung werde etwa auch das eingeschleppte Ragweed bleiben. Vor allem in urbanen Gebieten mit gleichzeitig erhöhten Ozon- oder Feinstaubwerten könne die Pollenzunahme zu mehr Atemwegserkrankungen führen.

Außerdem begünstigt die Erwärmung in Kombination mit dem globalisierten Güterverkehr beispielsweise die Ausbreitung eingeschleppter Stechmückenarten und damit auch jene von Infektionskrankheiten, wie dem West-Nil- oder dem Usutu-Virus. In diesem Zusammenhang brauche es Maßnahmen zur Bekämpfung gefährlicher invasiver Arten und die Stärkung von Kompetenzen in der Bevölkerung und beim Gesundheitspersonal, um etwa solche Erkrankungen früh zu erkennen.

Neben Treibhausgasen wie CO2 wirken auch andere Effekte auf das Klima. So beeinflussen etwa die aus Kondensstreifen entstehenden Zirruswolken den Wärmehaushalt der Erde, berichten nun Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Fachjournal "Atmospheric Chemistry and Physics". Aus Kondensstreifen entstandene Wolken haben Berechnungen zufolge im Jahr 2050 dreimal so starke Auswirkungen auf das Klima wie noch 2006. Hauptursache dafür sei ein Anstieg des Flugverkehrs.

Anstieg des Luftverkehrs

Die Wissenschafter gingen in ihren Berechnungen von einer Vervierfachung des Luftverkehrs bis 2050 aus. Dass der Klimaeffekt der Kondensstreifen nach dem Modell nicht ebenso stark ausfalle, liege an bestimmten Sättigungseffekten, erklärt Studienautorin Ulrike Burkhardt.

Auch eine Verringerung der Rußpartikel in den Abgasen werde die Zunahme dieser Erwärmung nicht ausgleichen können. Zwar sinke bei weniger Rußpartikeln die Anzahl der Eiskristalle der neu gebildeten Kondensstreifen, was die Eigenschaften, Lebensdauer und Klimawirkung dieser Höhenwolken verringere. Aber: "Wenn die Prognosen zum Anstieg des Luftverkehrs stimmen, wies es sehr schwierig, den Effekt der Kondensstreifen zu kompensieren. Es würde nicht einmal reichen, wenn die Rußemissionen um 90 Prozent reduziert würden - was derzeit noch gar nicht möglich ist." Bisher sei eine Reduktion um etwa 50 Prozent machbar.

Auch wenn sich die Kondensstreifen scheinbar aufgelöst haben, können die Eiskristalle in den Wolken weiter bestehen, erklärt die Forscherin. Die Studie ergab auch, dass die meisten Kondensstreifen aus dem europäischen und amerikanischen Luftverkehr stammen. Der Einfluss der Zirruswolken sei im Übrigen seit Beginn der Luftfahrt größer als der der CO2-Emissionen der Flugzeuge. (apa, dpa)