US-Forscher haben im Atlantik den weltweit größten Algenteppich vermessen. Die betroffene Regionreichte erstreckte sich im vergangenen Jahr von Westafrika bis zum Golf von Mexiko, wie die Forscher der University of South Florida nach Analyse von Satellitenbildern im Fachmagazin "Science" berichten.

  Die Algenplage wird auf die Zunahme der Abholzung des Amazonas-Regenwaldes und des Gebrauchs von Düngemitteln zurückgeführt. Das wiederkehrende Blühen der umweltschädlichen und übelriechenden Braunalgen könnte zur Normalität werden.

   An den Stränden beliebter Urlaubsziele in Mexiko und an anderen Orten im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko sammelten sich zuletzt immer mehr der sogenannten Golftange (Sargassum). Sie schaden nicht nur der Tourismusbranche, sondern gefährden auch das Ökosystem. Der karibische Inselstaat Barbados rief deswegen im vergangenen Jahr einen Notstand aus.

Satellitendaten der Nasa zeigen das größte Wachstum in den Jahren 2015 und 2018. - © University of South Florida
Satellitendaten der Nasa zeigen das größte Wachstum in den Jahren 2015 und 2018. - © University of South Florida

Mehr als 20 Tonnen

   "Die chemische Zusammensetzung des Meeres muss sich verändert haben, damit das Blühen derart außer Kontrolle gerät", wurde Studienleiter Chuanmin Hu in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Der Algenteppich wog demnach insgesamt mehr als 20 Millionen Tonnen.

  Ungleichmäßig auf offener See verteilt, tragen die Algen den Angaben zufolge gewöhnlich zur Gesundheit des Meeres bei, indem sie Tieren Lebensraum bieten und durch Photosynthese Sauerstoff freisetzen. Bei größerer Anhäufung gefährden sie aber manche Meerestiere sowie Korallen. Wenn die Pflanzen an Strände gespült werden und sich zersetzen, geben sie Schwefelwasserstoff mit dem typischen Geruch nach faulen Eiern frei.

  Seit dem Jahr 2011 breiteten sich die Golftange den Forschern zufolge explosionsartig aus - auch an Orten, an denen sie zuvor nicht vorkamen. Ihre Nährstoffe beziehen die Braunalgen demnach zum einen im Winter vom sogenannten Auftrieb - dem Aufstieg von tief liegenden Wasserschichten - vor der westafrikanischen Küste. Zum anderen kommen die Nährstoffe im Frühling und Sommer von der Amazonasmündung. Sie könnten durch Abholzung und Düngemittel zuletzt zugenommen haben, hieß es. Dieser Verdacht beruht allerdings auf begrenzten, bisher unbestätigten Daten. (apa)