Matthias Holzmüller winkt ab. Der Sprecher der MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau) hat täglich mit dem Straßenbaum zu tun. Er wächst auf seinem Revier. Holzmüllers Behörde bestimmt, wo Karl Hawliczeks Behörde Bäume pflanzen darf. Er kennt das Potenzial des Straßenbaums und seinen natürlichen Feind – den Autobesitzer. "Wo ein neuer Baum steht, muss ein Autoabstellplatz weichen", sagt er. Werden in Wien Parkplätze gestrichen, trudeln am Bezirksamt Beschwerdeanrufe ein – so sicher wie das Amen im Gebet.

"Neun Quadratmeter ist eine Baumscheibe mindestens groß. Sie muss einen Meter vom Randstein, 3,5 Meter von Fassaden und 1,5 Meter von Drähten und Lampen entfernt sein", rattert Holzmüller die Bauordnung herunter. So ein Baum braucht Platz. Den gibt es oft oben nicht – und unten schon gar nicht. Wurzelstöcke von Bäumen sind meist so groß wie ihre Kronen. Unter der Oberfläche kämpfen sie mit Strom-, Gas-, Wasser- und Telekommunikationsleitungen um Platz. "In Zeiten des Glasfaserinternets werden die Kabel nicht unbedingt weniger", sagt Holzmüller. "Im historischen Bestand wird es zunehmend eng. In vielen Straßen ist es schlichtweg unmöglich, neue Bäume zu pflanzen."

Das Unmögliche möglichen machen. Experten raten zu der Devise. Denn ohne mehr Bäume wird es nicht gehen. Die Klimakatastrophe zwingt uns zum Umdenken. Die Stadt als Habitat des Autos ist nicht mehr tragbar. Wie es funktionieren kann, zeigt die Umgestaltung der Mariahilfer Straße. Als utopisches Projekt belächelt, von der Autolobby gehasst, hat sich der radikale Gedanke durchgesetzt. Heute flanieren die Menschen unter dem Dach saftiger Säulengleditschien. Ihre Wipfel wachsen über den Köpfen zusammen. Straßenbäume, wohin das Auge reicht.