Genf/Berlin. Etwa ein Viertel der klimaschädlichen Emissionen von Treibhausgasen stammt aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung. Wiederkäuer wie Kühe tragen zu den Emissionen bei, weil sie beim Verdauen Methan erzeugen und ausstoßen - ein Gas, das noch viel klimawirksamer ist als Kohlendioxid. Was kann die Landwirtschaft tun, um zum Klimaschutz beizutragen?

Es gibt viele Wege, die Landwirtschaft nachhaltiger und damit weniger klimaschädlich zu machen. In dem Bereich kommt es auch auf die Verbraucher an, sagten die deutschen Mitautoren des nächsten Sonderberichts des Weltklimarates (IPCC), Almut Arneth und Alexander Popp, der Deutschen Presse-Agentur. Der Bericht wird am 8. August in Genf veröffentlicht. Mit vollem Titel heißt er: "Klimawandel und Land: Ein IPCC-Sonderbericht über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen". Die Landwirtschaft und Ernährungssicherheit sind nur eines von vielen Themen darin.

"Das Thema Landnutzung hat große Aufmerksamkeit verdient", sagt Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Wenn alles weiter läuft wie bisher, wenn wir in Zukunft eventuell neun Milliarden Menschen auf der Erde haben und afrikanische Länder und China im Konsum den westlichen Ländern nachziehen, dann hätten wir ein Riesendrama."

Weniger tierische Produkte verringert Methanausstoß

"Die Landoberfläche ist begrenzt, die Bevölkerung wächst, mehr Fläche wird für die Ernährung und Fasern etwa für Kleidung benötigt", sagt Arneth, Ökosystemforscherin am Karlsruher Instituts für Technologie. "Mit wachsendem Wohlstand ändert sich auch das Konsumverhalten: es wird beispielsweise mehr Fleisch gegessen. Fakt ist: Die Landnutzung trägt zum Klimawandel bei, sei es durch Düngung, Methanemissionen der Wiederkäuer oder die Entwaldung. Die Frage ist: wie bekommen wir das alles unter einen Hut?"

Anders essen und anders mit Lebensmitteln umgehen, das wäre ein großer Beitrag zum Klimaschutz, so die Wissenschafter. "Zurück zum Sonntagsbraten", sagt Popp. Das heißt: weniger tierische Produkte essen.

"Weg von den Wiederkäuern, dann hätte man auch mehr Flächen für den Anbau von Lebensmitteln und die Aufforstung", sagt auch Arneth. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums werden 91,6 Prozent oder 4,58 Milliarden Hektar der weltweit zur Verfügung stehenden Agrarfläche als Weide oder zur Produktion von Futtermitteln verwendet. Weniger Fleischkonsum bedeutet weniger Tiere, weniger Methan, weniger Weide- und Futtermittelfläche. Für die Menschen wäre es zudem gesünder, und mehr Anbaufläche für Nahrungsmittel könnte weltweit mehr Hunger stillen. "Win-win" - ein Gewinn auf allen Seiten, nennt man das.