Nuuk. Seit drei Jahren sind drei Wissenschafter der US-Raumfahrtbehörde Nasa auf der zu Dänemark gehörenden riesigen Insel Grönland stationiert. Sie erforschen am Arktischen Ozean die Eisschmelze des Eilands, um so den drohenden Anstieg des Meeresspiegels präziser vorherzusagen. Schließlich könnte diese Folge des Klimawandels in der Zukunft hunderte Millionen Menschen in aller Welt betreffen.

Schon seit 2015 sind die Nasa-Forscher für das Forschungsprojekt Oceans Melting Greenland (OMG) in Grönland tätig. Jeden Sommer starten sie aus dem 300-Seelen-Dorf Kulusuk immer wieder mit einem umgerüsteten Flugzeug aus den 40er-Jahren, um rund um die Insel Proben zu nehmen. Sie fliegen über Fjorde zwischen zerklüfteten Felsen und atemberaubenden Gletscher und Eisbergen. Dann lassen die Nasa-Forscher etwa eineinhalb Meter lange zylinderförmige Sonden runter, um Wasserproben zu nehmen. Die Sonden liefern Daten, die sofort in bunte Diagramme auf den Bildschirmen im Flugzeug umgerechnet werden.

"Viele Menschen glauben, dass das Eis hier durch die sich erwärmende Luft schmilzt, so wie ein Eiswürfel unter einem Föhn", sagt Nasa-Wissenschafter Joshua Willis. "In Wirklichkeit fressen aber auch die Meere an den Eisrändern." Indem sie über einen Zeitraum von fünf Jahren im Winter die Grönland-Gletscher beobachten und im Sommer Wasserproben analysieren, wollen Willis und seine Kollegen Erkenntnisse gewinnen, die eine genauere Vorhersage des Meeresspiegelanstiegs ermöglichen.

In den nächsten hundert Jahren drohe ein Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter, erläutert Willis die Bedeutung seiner Forschungsmission. Dies sei "eine riesige Bedrohung für hunderte Millionen Menschen in aller Welt".

 

Grönland ist zu 85 Prozent mit Eis bedeckt

Grönland, mit einer Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern die größte Insel der Welt, ist zu 85 Prozent mit Eis bedeckt. Wenn diese Eisschicht komplett wegschmilzt, würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen. Zahlreiche bewohnte Gebiete würden dann überflutet. Umso beunruhigender ist es, dass die Durchschnittstemperaturen in der Arktis doppelt so schnell steigen wie im Rest der Welt.

Aus Sicht von Willis' Kollegen Ian McCubbin wiegt die Bedeutung des OMG-Forschungsprojekts auch die schwierigen Arbeitsumstände im abgelegenen Grönland auf, wo die Forscher mit logistischen Herausforderungen und unvorhersehbaren Wetterumschwüngen zu kämpfen haben. "Die Relevanz dieses Projektes macht es so aufregend, daran mitzuarbeiten", sagt McCubbin. Schließlich sei es von Bedeutung "für unsere Gesellschaft, unsere Kinder, unsere Kindeskinder".

Nasa-Wissenschafter Ian Fenty sieht sich auf einem Forschungsflug die gerade gewonnenen Daten auf einem Laptop an. "Die Daten, die wir sammeln, sind super wertvoll, weil sie es uns erstmals erlauben, die Veränderung der Meerestemperaturen mit dem Schmelzen des Eisschildes in eine quantitative Beziehung zu setzen", sagte er. (apa/afp)