Wien. Eine Woche nach den bisher größten internationalen Klimaprotesten wollen am Freitag erneut Abertausende von Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. Zum Abschluss einer internationalen Klimastreikwoche plant die Bewegung Fridays for Future erneut Aktionen und Kundgebungen in Dutzenden Ländern weltweit. Auch in Österreich.

Hier könnten sogar die größten Klimaproteste stattfinden, die es jemals gegeben hat. Bei den sogenannten "Earth-Strike"-Demonstrationen werden in ganz Österreich tausende Menschen auf die Straße gehen, um mehr Maßnahmen für den Klimaschutz einzufordern. Die größten Proteste werden in Wien erwartet, wo es besonders am Nachmittag auch zu Verkehrsbehinderungen kommen könnte.

Auch in allen Landeshauptstädten - bis auf St. Pölten - wird demonstriert. Gegenwärtig stehen über 65 Organisationen hinter dem Streik. Er wird unter anderen von Amnesty International und dem Roten Kreuz unterstützt. Die großen Glaubensgemeinschaften haben sich ebenfalls den Protesten angeschlossen. Beim ersten großen Klimastreik am 15. März gingen in Österreich mehr als 20.000 Schüler und Studenten auf die Straße.

Zehntausende protestieren in Neuseeland

Wegen der Zeitverschiebung machen aber Neuseeland und Australien den Anfang. In Neuseeland waren am Freitag bereits mehrere Zehntausend Menschen auf die Straße gegangen. Die Veranstalter selbst sprachen von landesweit 170.000 Teilnehmern. Von der Polizei gab es zunächst keine Zahlen.

In dem Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern gibt es in mehr als 40 Städten Demonstrationen. Allein in der Hauptstadt Wellington marschierten nach Schätzungen mehr als 40.000 Menschen mit. Dabei waren neben Schülern auch viele Eltern und Großeltern. Auf Plakaten forderten sie die Politik auf, endlich etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. "Wir schwänzen den Unterricht, damit wir euch unterrichten können", war auf einem Plakat zu lesen.

Bei der Kundgebung in Auckland sagte einer der Veranstalter, Luke Wijohn: "Hört nicht mehr darauf, was sie sagen. Schaut hin, was sie machen." Im Parlament von Wellington überreichten Schüler einen Brief mit mehr als 11.000 Unterschriften. Darin wird die Regierung der sozialdemokratischen Premierministerin Jacinda Ardern aufgefordert, für Neuseeland den Klimanotstand auszurufen.

Thunberg demonstriert in Kanada

Im Laufe des Tages werden sich die Proteste über Europa bis nach Nordamerika ziehen. Dort wollte Klimaaktivistin Greta Thunberg an einer Großkundgebung im kanadischen Montreal teilnehmen. Auch vor dem Weißen Haus in Washington wollten sich Demonstranten versammeln.

Wie groß der weltweite Zuspruch an diesem Freitag nach der Rekordbeteiligung der Vorwoche sein wird, ist relativ unklar. Thunberg selbst war guter Dinge. "Letzten Freitag haben über vier Millionen Menschen für das Klima gestreikt. Diesen Freitag machen wir es noch einmal!", schrieb sie auf Twitter. Bisher habe es im Rahmen der Streikwoche 6383 Aktionen in 170 Ländern gegeben, ergänzte sie.

1,4 Millionen Demonstranten in Deutschland

Besonders in Deutschland war der Zulauf vergangenen Freitag sehr groß. Ein gutes Drittel aller weltweiten Demonstranten - rund 1,4 Millionen - hatten sich nach Schätzungen von Fridays for Future in 575 deutschen Städten an den Protesten beteiligt. Diesmal sind einer Auflistung der Bewegung zufolge Kundgebungen in mindestens 65 Städten geplant. Darunter in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München und Köln, aber auch in kleineren Gemeinden und Städten wie Jüchen in Nordrhein-Westfalen oder Westerland auf Sylt wollen die Menschen für das Klima auf die Straße gehen.

Im Alter von damals 15 Jahren hatte sich Thunberg im August 2018 vor das schwedische Parlament gesetzt, um die Politiker ihres Landes zu einem stärkeren Einsatz für den Klimaschutz aufzufordern. Daraus ist innerhalb kurzer Zeit die Fridays-for-Future-Bewegung entstanden. An den Klimaprotesten beteiligen sich vor allem Schüler und Studierende, aber in zunehmendem Maße auch Wissenschafter und andere Erwachsene.

Alternativer Nobelpreis für Thurnberg

Gemeinsam fordern sie von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

Thunberg war vor knapp einem Monat nach einem zweiwöchigen Transatlantik-Törn mit einer Hochsee-Rennjacht in New York angekommen. Dort hatte sie zuletzt an Klimaprotesten und Gipfeln der Vereinten Nationen teilgenommen. Am Montag hielt sie bei der UNO eine emotionale Rede, in der sie den Staats- und Regierungschefs der Erde eindringlich ins Gewissen redete. In ihrer Heimat Stockholm war ihr am Mittwoch für ihren Einsatz für mehr Klimaschutz der Alternative Nobelpreis der Right Livelihood Stiftung zugesprochen worden. (apa, dpa)