Das Wetterphänomen El Niño wird aller Voraussicht nach bald wieder auftreten. Nämlich schon im Jahr 2020, wie Wissenschafter aus Deutschland und Israel schätzen. Die Prognose beruht auf einem Algorithmus, mit dem die Lufttemperaturen im Pazifikraum analysiert werden. Das Risiko wird mit immerhin 80 Prozent beziffert.

Das alle paar Jahre in unregelmäßigen Abständen auftretende Phänomen wird von wärmeren Wassertemperaturen im tropischen Pazifik ausgelöst. In der Folge verschieben sich aufgrund von veränderten Luft- und Meeresströmungen weltweit Wetterbedingungen. Als wichtigstes Phänomen natürlicher Klima-Schwankungen kann El Niño etwa Überflutungen in Südamerika auslösen, Dürren in Australien und Missernten in Indien.

"Die konventionellen Methoden sind nicht zu einer verlässlichen Prognose mehr als sechs Monate im Voraus in der Lage", betont der beteiligte Gießener Physiker Armin Bunde. Eine frühere Prognose könne Landwirten in Südamerika, Asien und Australien helfen, sich auf die möglichen Folgen besser vorzubereiten.

Das nun verwendete Modell erlaube die Vorhersage, dass El Niño im kommenden Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent erneut auftreten werde, so die Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Für ihre Methode nutzten die Wissenschafter ein Netzwerk aus atmosphärischen Temperaturdaten im tropischen Pazifik. Das Verfahren bestimmt ihnen zufolge, wie die Temperaturen im Kerngebiet von El Niño in Äquatornähe mit denen außerhalb dieser Region verknüpft sind - und gibt Alarm, sobald die Verknüpfungsstärke eine bestimmte Schwelle überschreitet.

"Der Algorithmus ist relativ einfach und kommt ohne die großen globalen Klimamodelle aus", erklärt Bunde. Lediglich die Temperaturdaten in der Pazifikregion gingen in die Berechnungen ein. Über die Stärke von El Niño können die Wissenschafter noch keine Aussage treffen: "Wir forschen im Augenblick daran, auch die Stärke vorherzusagen."

Moralische Pflicht

Angesichts der dramatischen Klimaveränderungen warnen mehr als 11.000 Wissenschafter in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten "Klima-Notfall". Wenn sich das menschliche Verhalten, das zu Treibhausgasausstoß und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren führt, nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei "unsägliches menschliches Leid" nicht mehr zu verhindern, heißt es in der Erklärung, die im Fachblatt "BioScience" veröffentlicht wurde.

"Wissenschafter haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophalen Bedrohung zu warnen", sagt Ko-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney. "Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass wir einem Klima-Notfall gegenüberstehen." Die Forscher fordern Veränderungen vor allem in sechs Bereichen: Umstieg auf erneuerbare Energien, Reduzierung des Ausstoßes von Stoffen wie Methan und Ruß, besserer Schutz von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren, Konsum von mehr pflanzlichen und weniger tierischen Produkten, nachhaltige Veränderung der Weltwirtschaft und Eindämmung des Anwachsens der Weltbevölkerung.