Trübe Aussichten für Plankton in den Polarmeeren: Zwei Studien lassen vermuten, dass auf kalte Gewässer spezialisierte Organismen weniger anpassungsfähig sind als solche in wärmeren Meeresregionen. Viele Arten von Polarmeer-Plankton dürften im Zuge des Klimawandels verdrängt werden, mit Auswirkungen auf Fischbestände und Nahrungsgrundlagen. Das berichtet die ETH Zürich im Fachmagazin "Cell".

Plankton besteht aus Bakterien, Viren, pflanzlichen und tierischen Einzellern. Diese Mikroorganismen, die mit den Meeresströmungen durch die Weltmeere treiben, stehen an der Basis aller Nahrungsketten im Meer. Algen und Blaualgen bilden mit Fotosynthese Sauerstoff. Außerdem binden sie Kohlenstoff und "schlucken" menschgemachte CO2-Emissionen.

Kleiner Genpool

Um die Vielfalt dieser Organismen zu erforschen, umsegelte die "Tara Oceans"-Expedition 2009 und 2013 die Welt und sammelte an 210 Stellen der Weltmeere 35.000 Wasserproben aus verschiedenen Tiefen. Das Forschungsteam berichtet von neuen Analysen der Daten aus dieser Expedition. Es beschreibt auch die ungleiche Verteilung der Artenvielfalt. Obwohl die Ozeane ein zusammenhängendes Ökosystem bilden, nimmt die Artenvielfalt des Planktons zu den Polen hin ab. Bakterien und Archaeen, die Teil des Planktons sind, verfügen in wärmeren Gewässern über einen größeren Genpool. Das macht sie flexibler. Bei Bedarf könnten sie als Gemeinschaft verschiedene Gene ein- oder ausschalten und sich an veränderte Bedingungen anpassen. Artenärmeren Mikrobengemeinschaften der kälteren Meere fällt es schwerer, ihren Stoffwechsel an höhere Wassertemperaturen anzupassen. Sie könnten von der Konkurrenz aus wärmeren Ozeanen verdrängt werden. Ändert sich die Plankton-Zusammensetzung, ändert sich die Nahrungsgrundlage für Fische und Menschen.(sda)