Auf jeden Fall. Wir hatten beim Klimawandel ein doppeltes Problem. Einerseits hat man immer gedacht, es passiert in der fernen Zukunft oder in fernen Ländern. Aber die Extremereignisse passieren immer häufiger auch bei uns. Wir haben im Hitzesommer 2018 gemerkt, dass die Öffentlichkeit viel stärker realisiert, dass der Klimawandel jetzt schon da ist bei knapp einem Grad Erwärmung. Wir dürfen nicht den Fehler machen und sagen: Wenn wir zwei Grad nicht schaffen, machen wir gar keinen Klimaschutz. Jedes Zehntelgrad zählt. Man mag sich das gar nicht ausmalen, wie das bei 4 Grad Erwärmung im Jahr 2100 aussehen würde.

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf die Gesundheit der Menschen?

Die Auswirkungen reichen von Schädigungen durch die Hitze selbst über die Ausbreitung von Krankheiten durch Mücken, die ihr Verbreitungsgebiet vergrößern können, bis hin zu Schädigungen durch Unterversorgung durch Nahrungsmittel. Umgekehrt hat jede Vermeidung von fossilen Energieträgern positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Tatsächlich gibt es immer noch sehr viele Todesfälle durch Luftschadstoffe.

Die Gesellschaft ist polarisiert: "Fridays for Future" auf der einen, Klimaskeptiker auf der anderen Seite. Was entgegnen Sie diesen Menschen?

Wir versuchen, mit den Menschen, die eine skeptische Einstellung haben, zu sprechen. Wissenschaft ist auch von Skepsis getrieben. Was wir leider aber sehr oft beobachten, ist, dass einige dieser Menschen Argumenten nicht mehr zugänglich sind. Sie sind in ihrem Weltbild so verfangen, dass wir leider keine Chance mehr haben, sie zu überzeugen. Das ist frustrierend.

Scheitert das Klimaziel, wenn man die USA nicht zurück ins Boot holt?

Es ist einerseits schade, da die USA nach wie vor ein großer CO2-Verursacher sind. Gleichzeitig kommt es zu einem gewissen Schulterschluss der anderen Länder. Zum anderen - auch wenn Donald Trump verkündet, die US-amerikanische Kohle wieder groß fördern zu wollen - scheitert es an ökonomischen Argumenten. Nichtsdestoweniger müssen auch die USA ihre Emissionen reduzieren.

Wird die Veränderung des Klimas internationale Migrationsbewegungen beeinflussen?

Es gibt Hinweise dazu, dass Umweltfaktoren bei Migrationsbewegungen in der Vergangenheit tatsächlich auch schon beigetragen haben. Das ist etwas schwierig, weil es meistens einer von vielen Faktoren ist. Das gibt es selbst in der Wissenschaft eine sehr kontroverse Diskussion. Aber wenn wir uns die Zukunftsprognosen anschauen, welche Gegenden es treffen wird mit Dürren, Nahrungsmittelknappheit und Meeresspiegelanstieg, dann kann man eigentlich davon ausgehen, dass es zusätzliche Migrationsbewegungen geben wird.