Von nun an war das Wetter nicht mehr ein Lüftchen, das überrascht, sondern eine Karte. Es wurde nicht bloß erlebt, sondern gemessen. Bis die Systeme die Genauigkeit heutiger Sturm-Prognosen erreichen sollten, die tausende Leben retten, sollte es aber noch dauern. Zunächst musste man die Welt in Raster einteilen, nationale Messstationen errichten, internationale Abkommen mit einheitlichen Standards, Protokollen und Regeln aufstellen und Wettersatelliten in die Erdumlaufbahn bringen. Die Berechnungen wurden komplexer, die Computer leistungsstärker, die Vorhersagen präziser. Heute landen sie auf jedem Smartphone.

Wunderwerk Wettermaschine

"Die Wettermaschine ist ein Wunderwerk, das wir als etwas Banales behandeln. Wir benutzen sie jeden Tag, führen Smalltalk über ihre Erzeugnisse und beurteilen ihre Leistung", schreibt Blum. "Ihre Erfinder aber eröffneten den Menschen ein Fenster in die Zukunft."

Indem sie die Fähigkeit erlangte, das Wetter vorherzusagen, vollbrachte die Menschheit eine ihrer größten Leistungen in dem Bemühen, sich den Lebensbedingungen auf der Erde anzupassen. Wetterprognosen schützen uns vor den Launen oder, wenn man so will, der Wut der Natur. Dennoch durchschauen wir zunehmend weniger, wie sie funktionieren. "Wir haben ein Werkzeug gebaut, dem wir noch nicht zu vertrauen gelernt haben", betont Blum.

Weiße Weihnachten 2019, ja oder nein? Der November galt als überdurchschnittlich warm. "Derzeit liegt kaum Schnee und zum Wochenende wird es wärmer", sagt Stefan Kiesenhofer, "vermutlich also nein." Warum die Wetter-App auf dem Smartphone allerdings häufig etwas anderes in Aussicht stellt als nationale Wetterdienste, kann er genau begründen: "Bei uns vergleichen Menschen mehrere Modelle und setzen sie in Relation zu Erfahrungen. Auf das Smartphone kommen ungefilterte Computer-Berechnungen."