Wien. Künstlich beschneite Skipisten reflektieren mehr Sonnenlicht als schneefreie Wiesen und kühlen im Frühling das lokale Klima. Der Effekt ist allerdings geringer als angenommen und der Kunstschneebetrieb kaum klimaneutral, erklären Wiener Wissenschafter in einem Bericht zum Projekt "StartClim" über den Einfluss künstlicher Beschneiung in Skigebieten.

2017 hatte die Forschungsgesellschaft Joanneum Research für Skigebiete in Tirol und der Steiermark errechnet, dass der klimakühlende Effekt durch die geringere Aufnahme von Strahlungsenergie bei künstlichem Schnee im Vergleich zu grünen Wiesen die Emissionen aufwiege, die bei der Kunstschneeerzeugung entstehen. Die Beschneiung verlängert demnach die Skisaison und die Zeit mit einer geschlossenen Schneedecke auf den Pisten. Die steirischen Forscher hätten jedoch mit "stark vereinfachten Methoden" gearbeitet, berichten das Institut für Klimatologie der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Modell Saalbach-Hinterglemm

Das Team hat ein Strahlungsmodell für die Pisten in der Skiregion Saalbach-Hinterglemm erstellt. Es geht auf die Albedowirkung von Schnee und Wiese, die Landnutzung, Abschattungseffekte, die Wirkung von Bäumen am Pistenrand, Mehrfachreflexionen an Gegenhängen und die natürliche Schneelage ein.

"Der Kühleffekt im Frühling wurde zuvor um das Sechsfache überschätzt", sagt Studienleiter Herbert Formayer von der Boku. Er und sein Team hätten den Albedo-Effekt zwar nicht gegen die CO2-Emissionen gegengerechnet, doch "wenn man ihn reduziert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass die Bilanz nicht mehr positiv ist", sagt er. Zudem müsse man dem Albedo neben den CO2-Emissionen des Skibetriebs auch jene aus dem Anreiseverkehr entgegensetzen.(apa/est)