Wenn es um den Klimawandel geht, wird das eigene Wissen oft zu hoch eingeschätzt. Wissenschaftler der Uni Graz haben nach einer Online-Befragung eine große Diskrepanz zwischen wissenschaftlich belegten Fakten und dem vermeintlichen Wissen festgestellt. Laut den Studienautoren Annina Thaller und Thomas Brudermann wäre eine auf viele unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittene Bildungsarbeit nötig.

"In unserer Erhebung stellten wir zehn Wissensfragen zum Klimawandel, die mit ,wahr' oder ,falsch' zu beantworten waren, und baten gleichzeitig um eine Einschätzung, wie sicher sich die Person der eigenen Antwort ist", berichtete Thomas Brudermann vom Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung der Universität Graz. Rund 500 Personen haben die Fragebögen beantwortet, die Befragten entsprachen einer repräsentativen Stichprobe von Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 72 Jahren, quer über alle Bundesländer, je zur Hälfte mit und ohne Matura.

Die Ergebnisse ihrer Auswertungen haben die Wissenschaftler kürzlich im "Journal of Environmental Psychology" veröffentlicht. Er zeigte sich, dass die meisten Befragten ihr Wissen über den Klimawandel offenbar überschätzen. 60 Prozent hielten beispielsweise das Ozonloch für die Hauptursache für den Treibhauseffekt - und lagen damit falsch, obwohl sich die Befragten im Durchschnitt zu 81 Prozent ihrer Antwort sicher waren. Ob Kohlendioxid oder - wie es richtig wäre - dieselbe Menge Methan schädlicher für das Klima wäre, konnten 57 Prozent der Befragten nicht richtig beantworten.

Verbreitete Irrtümer

84 Prozent der Teilnehmer meinten, dass Wasserdampf kein Treibhausgas sei - ebenfalls ein Irrtum: Der Wasserdampf ist beim natürlichen Treibhauseffekt ausschlaggebend. Etwa zwei Drittel des natürlichen Treibhauseffekts, der die Erde erst bewohnbar macht, werden von Wasserdampf verursacht, ein geringerer Teil von Kohlendioxid. Wissenschaftler beziehen daher die Wirkung des Wasserdampfes in ihren Klimamodelle mit ein, weil diese sonst eine vereiste Erde wiedergeben würden. Beim anthropogenen Treibhauseffekt spielt der Wasserdampf allerdings nicht die Hauptrolle, denn die Atmosphäre nimmt - je nach ihrer Temperatur - nur eine bestimmte Menge an Wasserdampf auf.

Die "Selbstüberschätzung", wie es die Grazer Forscher nennen, nahm in Bezug auf das eigene Wissen zum Klimawandel mit dem Alter leicht zu. Männer beantworteten im Durchschnitt etwas mehr Fragen richtig und waren sich ihrer Antworten auch ein wenig sicherer als Frauen. "Falsche Überzeugungen gefährden die Akzeptanz von Klimaschutz-Maßnahmen und begünstigen falsche Entscheidungen", erklärten die Studienautoren die sich daraus ergebende Problemlage. "Die Kombination von Halbwissen und Selbstüberschätzung kann zum ernsthaften Problem werden, wenn Verzerrungen der Wirklichkeit zu falschen Entscheidungen führen", warnte Brudermann mit Blick auf den Klimaschutz. Aus Sicht der Grazer Forscher ist eine spezifisch auf viele unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittene Informations- und Bildungsarbeit notwendig.

Einen Schritt setzt auch die Uni Graz: Im Herbst soll eine neue Lehrveranstaltung als freies Wahlfach starten, in der Studierende in Form eines Praktikums wissenschaftlich fundiertes Basiswissen zum Klimawandel sowie zugleich Grundlagen der Kommunikation erwerben. Ziel sei es, die Studierenden fachlich und didaktisch darauf vorzubereiten, Schulen bei Klima- und Nachhaltigkeitsprojekten zu begleiten, hieß es vonseiten der Uni Graz. (apa)