Österreich wird sich um eine Niederlassung des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) bewerben, sagte Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), auf APA-Anfrage. Mit welchem Standort, blieb noch offen. Ein weiterer Bewerber ist beispielsweise die deutsche Stadt Bonn.

Das EZMW hat seinen Hauptsitz in Großbritannien, wegen des Brexits wird eine zusätzliche Niederlassung im Gebiet der Europäischen Union benötigt. Vom neuen Standort sollen zunächst die Aufgaben ausgeführt werden, die das EZMW im Rahmen des EU-Erdbeobachtungsprogramms "Copernicus" übernimmt: der Copernicus Climate Change Service und der Copernicus Atmosphere Monitoring Service.

Die Bewerbungsfrist läuft bis 30. September 2020. "Es wird eine österreichische Bewerbung geben. Die Details werden noch geklärt", sagte Staudinger. Die Standortfrage sei "vorerst offen".

Wien wäre "interessanter Standort"

Es gebe schon einige Lagen und Gebäude, deren Eignung werde nun geprüft. Gesucht werde ein Ort mit guter Verbindung zur Wissenschaft und attraktiven Bedingungen für die Mitarbeiter, also zentrale Lage, gute Anbindung, Grünflächen, gute Schulen etc. Wien sei in dieser Hinsicht sicherlich "interessant", so der ZAMG-Direktor auf Nachfrage. Starten würde die Niederlassung mit etwa 30 Mitarbeitern, nach einem Jahr sollten es rund 150 sein, später bis zu 250, erläuterte Staudinger.

Neben Bonn dürfte auch das französische Toulouse zu den potenziellen Mitbewerbern zählen.

Das EZMW ist eine unabhängige internationale Organisation, die von 21 europäischen Mitgliedstaaten und 13 Zusammenarbeitsstaaten getragen wird. An seinem Sitz in Reading nahe London ist eine Hochleistungsrechenanlage über Hochgeschwindigkeitsleitungen an die Rechensysteme der nationalen Wetterdienste angeschlossen. Das EZMW-Rechensystem gehört zu den leistungsstärksten weltweit. (apa)