Mehr als 2.200 Brände hat das Nationale Institut für Weltraumforschung Inpe (Brasilien) bei der Auswertung von Satellitenbildern im Amazonas-Gebiet im Juni registriert. Das sind dem Inpe zufolge fast 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum - und so viele wie seit dem Juni 2007 nicht mehr. Damals waren es mehr als 3.500 Feuer. Mehr als 2.000 Quadratkilometer Regenwald sind von Jänner bis Mai abgeholzt worden.

Mit dem Beginn der Trockenzeit in Amazonien schrillen bei Umweltschützern und Klima-Aktivisten für gewöhnlich die Alarmglocken. Sie und auch Wissenschafter waren in diesem Jahr jedoch bereits zuvor schon davon ausgegangen, dass in der Corona-Krise die Kontrollen der Behörden nachgelassen haben. Kritiker werfen der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro zudem vor, Abholzung und Brandrodung zu befeuern.

Umweltminister Ricardo Salles zufolge sollte die Regierung es ausnutzen, dass die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das Coronavirus gerichtet ist, um Umweltvorschriften für Amazonien zu lockern, ohne einen Aufschrei zu erzeugen. "Wir haben in diesem Moment die Gelegenheit, alle Regelungen zu ändern und die Vorschriften zu vereinfachen", sagte Salles im April.

Der rechte Bolsonaro ist ein Befürworter der wirtschaftlichen Ausbeutung Amazoniens. Er geriet wegen der verheerenden Brände im Amazonas-Gebiet im vergangenen Jahr heftig in die Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die Zerstörung in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für Landwirtschaft, Viehzucht und Bergbau zu erschließen.(apa/dpa)