Eine über Monate gedrosselte Produktion und weitaus weniger Straßen- und Flugverkehr aufgrund von Ausgangsbeschränkungen, Home Office, Reisewarnungen und eines erzwungenermaßen veränderten Freizeitverhaltens: Die Corona-Pandemie hat zu einem deutlichen Rückgang der globalen Kohlendioxid-Emissionen geführt. Das zeigt die jährliche Bilanz des Global Carbon Project (GCP), eines weltweiten Zusammenschlusses von Klimaforschern, der am Freitag im Fachjournal "Earth System Science Data" seinen Bericht 2020 veröffentlicht.

Zwar war es schon zuvor gelungen, die Zunahme der globalen Emissionen zu verlangsamen. Laut dem Report gingen von 2010 bis 2019 die CO2-Ausstöße aus fossilen Quellen in 24 Ländern mit wachsenden Volkswirtschaften deutlich zurück, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass die Klimapolitik greift, sagte die Geographin und Co-Autorin Julia Pongratz von Ludwig-Maximilians-Universität in München am Donnerstag bei einem virtuellen Pressebriefing des deutschen Science Media Network. Jedoch sanken insbesondere heuer die weltweiten fossilen Emissionen um den Rekordwert von sieben Prozent aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie. Umgerechnet sind das 2,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid auf insgesamt 34 Milliarden Tonnen CO2-Ausstöße weltweit.

Der Rückgang im heurigen Jahr ist erheblich größer als in früheren Jahren, wie die Reduktionen bei 0,5 (1981 und 2009), 0,7 (1992) und 0,9 (1945) Milliarden Tonnen CO2 lagen. Besonders deutlich sanken die Emissionen heuer in den USA um minus zwölf Prozent und in der EU um minus elf Prozent. Der Großteil geht auf den Transportsektor zurück. Jetzt, im Dezember 2020, liegen die Emissionen aus dem Straßen- und Luftverkehr aufgrund der anhaltenden Beschränkungen immer noch um bis zu 40 Prozent unter den Werten des Vorjahres.

Pandemie bietet Chancen auf Umbau der Wirtschaft

"2020 haben wir auch bezüglich der fossilen Emissionen einen einzigartigen Rückgang gesehen", betonte Pongratz. "Ob die Rückgänge auf diesem Niveau bleiben und 2020 einen Trend einläutet, ist offen. Wir beobachten, dass sich die Emissionen nach dem ersten Lockdown wieder nach oben in Richtung Niveau von 2019 angleichen und jetzt mit der zweiten Welle wieder sinken, aber die Frage ist, wie nachhaltig das ist."

Um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 zu erreichen, müsste die Weltbevölkerung ihren Kohlendioxid-Ausstoß jedes Jahr um eine bis zwei Milliarden Tonnen senken. Und um das schnell zu ermöglichen, müsste sie Teile der Konjunkturpakete zur Bewältigung der Corona-Krise und des Wiederaufbaus der Wirtschaft im Sinne des Klimas nützen, betonte Niklas Höhne, Professor für Klimaschutz der Wageningen Universität in den Niederlanden.

"Die Corona-Krise ist ein Umbruch und eine Möglichkeit, Dinge anders zu machen. Wenn die Länder nur einen geringen Teil des Geldes, mit dem sie derzeit den Wiederaufbau der Wirtschaft fördern, schwerpunktmäßig dafür aufwenden würden, um ihren Klima-Vorsätzen Taten folgen zu lassen, wäre viel gewonnen", erklärte Höhne. In Europa würden Deutschland, das Vereinigte Königreich und Frankreich solche Ansätze verfolgen. Weit vorne liege insbesondere Korea, das drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in grüne Projekte steckt. "Aber es könnte noch besser sein, denn der Topf ist groß und in allen Ländern fließt Geld auch in klimaschädliche Technologien. Wir müssen alles in eine Richtung steuern", betonte Höhne. Das ist derzeit nicht der Fall: Etwa steht den Schließungen alter Kohlekraftwerke ein höherer Erdgas-Verbrauch gegenüber.

"Wir haben 2020 eine 2,4 Milliarden Tonnen starke CO2-Reduktion aufgrund des Lockdowns gesehen. Diese Menge brauchen wir aus anderen Gründen jedes Jahr", fasste Judith Hauck, Stellvertretende Leiterin der Sektion Marine Bio-Geowissenschaften des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung zusammen, ebenfalls Co-Autorin des Reports. "Wir sollten die Chancen nutzen, die sich aus der Corona-Pandemie für das Klima ergeben."