Albern" nannte Donald Trump noch das Vorhaben der Stadt New York, sich durch vorgelagerte Inseln und Unterwasserbarrieren vor den Sturmfluten und den steigenden Meeresspiegeln zu schützen, und empfahl den New Yorkern, doch Wischmop und Eimer hervorzuholen. Das 119-Milliarden-Dollar-Projekt wurde gekübelt und die Stadt wird auch in Zukunft Hurrikanen wie "Sandy" (2012) mit Sandsäcken entgegentreten. Das Barriere-Vorhaben wäre aber vermutlich ohnedies unzureichend gewesen, um die Millionenmetropole vor den steigenden Meeresspiegeln zu bewahren, deren Anstieg auf 1,80 Meter noch in diesem Jahrhundert befürchtet wird.

Eine Forschungsgruppe der Universität Reading hat nun mit präziseren Messmethoden herausgefunden, dass der Verlust von Eismasse in der Antarktis noch mehr zu der Entwicklung beitragen könnte als bislang vermutet: Die Forscher befürchten, dass mehr als ein Drittel (34 Prozent) Schelfeis in den nächsten Jahrzehnten kollabieren könnten, sollte sich die Erderwärmung nicht begrenzen lassen.

Eine "entkorkte Flasche"

Die 34 Prozent werden bei einer Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur um vier Grad erreicht. Halten die im Pariser Abkommen formulierten Klimaziele und es gelingt, die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen - eigentlich sollten es ja 1,5 Grad sein -, dann wären es 17 Prozent. In jedem Fall sind die Folgen katastrophal. "Wenn Schelfeis kollabiert, dann ist es, als ob man eine Flasche entkorkt", erläutert Ella Gilbert, die Erstautorin der Studie in einer Aussendung. "Es ergießen sich unvorstellbare Wassermengen von den Gletschern in das Meer." Zum Schelfeis gehören Eismassen, die frei auf dem Wasser treiben.

Die geschilderte "Entkorkung" geschieht durch Schmelzwasser, das sich auf den riesigen Eisbergen zunehmend ansammelt. Im Sommer dringt das Wasser in winzige Luftlöcher in den Eismassen ein, gefriert und schmilzt mit steigenden Erdtemperaturen wieder. Dieses Wasser, so die Forscher, bricht die Berge regelrecht auf und lässt sie zusammenbrechen. 2002 brach auf diese Weise das Schelfeis "Larsen B" nach einer Reihe heißer Sommer. Die Forscher sehen insgesamt vier Schelfeis-Flächen aufgrund ihrer Geografie und des Schmelzwassers, das sich auf ihnen ansammelt, als besonders bedroht: "Larsen C", "Wilkins", "Pine Island" und "Shackleton".

Wenn das Eis der Antarktis schmilzt, ist das ein besonders bedrohliches Zeichen. Die Region hält 90 Prozent der Eismassen der Erde, allein in den fünf Jahren zwischen 2012 und 2017 hat sich die Geschwindigkeit, mit der dieses Eis schmilzt, verdreifacht. Derzeit verliert die Antarktis jährlich 151 Milliarden Tonnen Eis.

Das Eis der Pole wird jedes Jahr um 429 Milliarden Tonnen weniger. Das macht zwei Drittel des globalen Anstiegs der Meeresspiegel aus. Der Rest geht auf die Verlangsamung des Golfstroms, die Ausdehnung der wärmeren Ozeane und sinkende Landmassen zurück. Derzeit stehen wir bei 3,3 Millimetern im Jahr - verteilt über die gesamte Fläche der Ozeane. Im Staat New York wirkt sich das mit rund vier Zentimetern alle sieben bis acht Jahre aus. Seit den 1950er Jahren hat sich der Anstieg der Meeresspiegel beschleunigt und in den Küstenregionen der Erde, wie etwa in Lagos in Nigeria oder in Bangladesch, sind die Folgen deutlich. Durch Flutkatastrophen verlieren Millionen von Menschen jedes Jahr ihr Zuhause.