Es ist erst das vierte Mal in 163 Jahren, dass ein Frühling so derartig trocken ist wie dieser: Eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für 2021 zeigt, das es im heurigen Frühling österreichweit um 40 Prozent weniger Regen oder Schnee gab als im vieljährigen Mittel, in manchen Regionen, vor allem im Süden und Osten Österreichs, fielen sogar bis zu 80 Prozent weniger Niederschlag.

Trockenheit als bedrohlicher Trend

Seit den 2000er-Jahren zeigen März und April einen Trend zu immer weniger Regen und Schnee. "Der Grund dafür ist noch nicht ganz klar", sagte ZAMG-Klimaforscher Klaus Haslinger. "Einerseits fällt diese Änderung mit der markanten Erwärmung in Österreich und Europa zusammen, andererseits sehen wir in den langen Datenreihen des Niederschlags in Österreich und allgemein in Europa oft langfristige Schwankungen, die mit natürlichen Veränderungen der großräumigen Zirkulation in der Atmosphäre und in den Ozeanen zusammenhängen."

Betrachtet man die Entwicklung des Niederschlags gemeinsam mit der Entwicklung der Temperatur, zeigt sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Klimawandel und einer Intensivierung von Dürreperioden im Sommerhalbjahr. "Dürre wird neben dem Mangel an Niederschlag auch durch höhere Verdunstung verstärkt", so Haslinger: "Insbesondere anhaltende Hitzewellen haben das Potenzial den Boden sehr stark auszutrocknen. Außerdem dauert in einem wärmeren Klima die Vegetationsperiode länger und die Pflanzen entnehmen den Böden über einen deutlich längeren Zeitraum Wasser. Im warmen Frühling 2020 waren die Auswirkungen der Trockenheit auf die Vegetation zum Beispiel deutlich größer als heuer, wo auch durch die relativ kühle Witterung die gesamte Entwicklung etwas langsamer ist."
Die Basis für einen trockenen Sommer wird oft schon im Frühling gelegt, vor allem wenn Wetterlagen überwiegen, die wenig Bewegung bei den Hochdruck- und Tiefdrucksystemen bringen. "Dann ziehen kaum Regenfronten vom Atlantik in den Alpenraum und die Feuchtigkeit wird durch lokale Regenschauer und Gewitter recycelt", sagte Haslinger. "Ist der Boden schon vom Frühling weg sehr trocken, so verdunstet nur wenig Feuchte, die für die Bildung von Regenschauern und Gewittern zur Verfügung steht. Man kann zwar nicht eindeutig sagen, dass die aktuelle Trockenheit auch einen trockenen Sommer bringt, aber die Wahrscheinlichkeit dafür steigt."

Dürren sind unter anderem eine Bedrohung für Land- und Forstwirtschaft und die Trinkwasserversorgung. Italien, Slowenien, Frankreich, Schweiz, Deutschland und Österreich haben daher Ende 2019 das Projekt "Alpine Drought Observatory (ADO)" gestartet. Ziel ist, ein umfangreiches Dürremonitoring-System zu etablieren. (apa)