Die Meteorologen aus der Ukraine senden trotz des Krieges "unter vermutlich schwierigsten Umständen von fast jeder Bodenstation aktuelle Daten an die Weltorganisation für Meteorologie (WMO)", berichtete WMO-Präsident Gerhard Adrian am Montag bei einer Fachtagung in Leipzig vor Journalisten. Ein Ausfall der Wettermeldungen aus den sehr großflächigen Staaten der Ukraine und Russland würde die Klima- und Wettervorhersagen beeinträchtigen und Gefahrenabschätzungen erschweren.

Auch Daten von den russischen Wetterstationen werden weiterhin an die WMO übermittelt, die eine Teilorganisation der Vereinten Nationen ist, so Adrian. Ohne den Beobachtungsdaten der Wetterstationen aus der ganzen Welt könnte man die Klimaveränderungen nicht richtig mit den Modellen einschätzen, sagte er: "Deshalb bin ich froh, dass sowohl aus Russland als auch der Ukraine weiterhin auch während des Konfliktes die Daten gesendet werden."

Unverzichtbare Daten

Meteorologische Daten seien unverzichtbar, um gefährliche Wetterereignisse vorherzusagen und besonders gefährdete Menschen davor zu schützen, erklärte Gerhard Wotawa von der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie (ÖGM): Neben einer Zunahme der Extremereignisse durch den Klimawandel gäbe es auch eine erhöhte Verwundbarkeit der Bevölkerung und Infrastruktur. Dem müsse man aktiv entgegenwirken.

Als Positivbeispiel in Österreich nannte er die Organisation der Wildbach- und Lawinenverbauung, die Schäden durch Überflutungen und Schneerutsche trotz der Zunahme von Wetterextremereignissen konstant halten und teils sogar verringern konnte. Negativ sei in Österreich jedoch die zunehmende Bodenversiegelung, die Klimawandelprobleme verschärft.

Bei der Tagung der Meteorologischen Gesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Leipzig präsentieren und diskutieren noch bis Freitag mehr als 350 Wissenschafterinnen und Wissenschafter neue Erkenntnisse und Fragen aus allen Bereichen der Meteorologie und der Klimaforschung. (apa)