Ohne eine radikale und sofortige Reduktion der klimaschädlichen Treibhausgase ist ein Eindämmen der globalen Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad nicht zu erreichen. Das ist die Kernaussage des am Montagabend in Genf präsentierten IPCC-Klimaberichts. In den von den Wissenschaftern bewerteten Szenarien muss die globale Emission von Treibhausgasen bis spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen. Anpassungen, Korrekturen und das Drehen an einzelnen Stellschrauben würden nicht ausreichen, betonte der Klimaforscher Georg Kaser mit Blick auf den IPCC-Klimabericht. Es werde immer klarer, dass es einen "Systemwandel" brauche. Auf die Dringlichkeit müsse man kommunikativ noch stärker hinweisen - und auch darauf, "dass es Freude machen kann, in ein anderes System zu gehen".

Industrieländer in der Pflicht

"Es heißt, jetzt oder nie", erklärte der Co-Vorsitzende des Berichts, Jim Skea, mit Blick auf die Pariser Klimaziele. "Ohne sofortige und tief greifende Reduktion der Emissionen über alle Bereiche hinweg wird es unmöglich sein." Es sei schön, dass die Experten nach Durchsicht der verfügbaren Daten zu dem Ziel, die Erderwärmung auch noch unter einem Plus von 1,5 Grad Celsius zu halten, sagen würden: "Es geht!" Allerdings scheitere es "im Prinzip am politischen Willen und sozusagen am kulturellen Begreifen", so der frühere Dekan der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften der Uni Innsbruck.

Stark in der Pflicht sieht Kaser Industrieländer wie Österreich, die einerseits viel zur aktuellen Situation beitragen würden und andererseits mit relativ hohen Pro-Kopf-Einkommen gesegnet seien. Immerhin zeige der Bericht, dass die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und UNO-Nachhaltigkeitszielen fast überall einen Mehrwert habe, wenn etwa Ressourcen geschont würden und Ökosysteme bestehen blieben.