Island ist trotz seines grünen Images der mit Abstand größte Treibhausgas-Emittent Europas, zumindest die CO2-Äquivalente pro Kopf liegen hier bei 40,3 Tonnen für 2019. Österreich lag laut den Eurostat-Daten gerade einmal 8,8. Trotzdem hat Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) im Zuge ihrer Arbeitsreise auf den Inselstaat hier ein Best-Practice-Beispiel in Sachen CO2-Reduzierung gefunden. In einem Pilotprojekt wird klimaschädliches Kohlendioxid zu Stein verwandelt.

Die Rede ist von der Firma Carbfix, das auf die Geoengineering-Methode CCS setzt und seine Spezialität auch gleich auf der Webseite mit einem Satz beschreibt: We turn CO2 into stone". CCS steht für Carbon Capture and Storage also dem "Einfangen" von CO2 und der darauffolgenden Speicherung. Wie Ólafur Teitur Guðnason bei einer Betriebsbesichtigung in Hellisheiði erklärt, bei Carbfix für Kommunikation und Außenbeziehungen verantwortlich, wird in der Anlage dazu Wasser mit CO2 angereichert und über rund zwei Kilometer lange Rohre mit Hochdruck in die Erde gepumpt. Dort trifft das Kohlendioxid auf mineralische Substanzen, mit denen es sich verbindet, anstatt wieder in die Atmosphäre zu entweichen - so lautet zumindest die einfache Beschreibung des Vorgangs. Für das CO2 sorgt die Schweizer Firma Climeworks mit der sogenannten DAC-Technologie (direct air capture).

100 Kilogramm CO2 könne man in einen Kubikmeter Gestein binden, erläutert der Experte, "1.000 Jahre braucht die Natur, das CO2 in Steine zu verwandeln, Carbfix braucht dafür weniger als zwei Jahre", preist Ólafur die Methode an. Grundsätzlich sei die Idee schon alt, CO2 mit CCS-Methoden zu lagern, jedoch werde das Gas mehrheitlich in unterirdischen Tanks gelagert, gibt der Carbfix-Sprecher zu bedenken, in Islands Untergrund gibt es dies im Gegensatz zu den üblichen Speichermethoden nicht, führt er aus - und zeigt zum Beweis eine Gesteinsprobe her. Die Kosten sind dabei relativ gering, denn 20 EUR pro Tonne - weniger als die Hälfte des aktuellen Preises für Zertifikate auf dem Emissionshandelsmarkt der EU. "

Kein Ersatz für tatsächliche CO2-Reduktion

"Auch der Weltklimarat IPCC hat in seinem aktuellem Bericht auf die Notwendigkeit von Geo-Engineering-Methoden hingewiesen, damit die Klimaziele noch erreicht werden können", weiß Ólafur und gibt auch gleichzeitig zu Bedenken, dass all diese Techniken kein Ersatz für die tatsächliche Reduktion der Treibhausgase sein können. Noch beläuft sich auch die Menge des "versteinerten" Kohlendioxids auf ein paar Tausend Tonnen pro Jahr, allein im Jahr 2019 emittierte Island jedoch mit 4,7 Millionen Tonnen CO2 mehr als 300-mal soviel. Doch Carbfix plant mit dem "Coda Terminal" an der Bucht von Straumsvík Großes, zusammen mit Climeworks, die laut Eigendefinition größten Hersteller von CO2-Staubsaugern, will man bald mit Meerwasser arbeiten. "Theoretisch ist bereits alles realisierbar, und mit diesem Verfahren wären rund drei Millionen Tonnen pro Jahr möglich".

2031 soll das Projekt dann am Laufen sein. Was die Treibhausgas-Emissionen in Island betrifft, so hat die Insel der Feen und Trolle dies auch bitter notwendig. Zwar hat das Nicht-EU-Mitglied vor zwei Jahren ebenfalls das Ziel der Klimaneutralität ausgerufen, will die Emissionen bis 2030 um 45 Prozent zu senken und bis 2050 klimaneutral sein, aber bisher hielten sich die Erfolge, ähnlich wie in Österreich, eher in Grenzen. Während Österreich bei 8,8 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf insgesamt auf 79,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2019 kam, waren es in Island zwar nur 4,7 Millionen Tonnen, aber das mit gerade einmal 360.500 Einwohnern, wodurch der Pro-Kopf-Abdruck die extrem hohen 40,3 Tonnen ergibt.

Das isländische Vorgehen beeindruckt jedenfalls auch die Politik: "Während wir in Österreich noch über zu lange Genehmigungsverfahren beim Ausbau erneuerbarer Energien stolpern, werden in Island bereits die Technologien von morgen nicht nur erprobt, sondern bereits kommerzialisiert", lautete die Bilanz von Jugendstaatssekretärin Plakolm nach der Besichtigung des Projekts. Auch die EU agiert hier als Finanzier und bezeichnete das Vorgehen als eine "vollständige, wirtschaftlich sinnvolle Wertschöpfungskette für CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS)." (apa)