Auch die Bioethikkommission will ihren Teil zur Lösungsfindung in der Klimakrise beitragen. In einer Stellungnahme formuliert sie fünf ethische Herausforderungen und nennt 18 Empfehlungen. Diese reichen von der Forderung nach einer nachhaltigen Reform der Raumordnung über die Versorgungssicherheit bis hin zur Medienförderung und zum steigenden Fachkräftemangel.

"Die Klimakrise betrifft auf vielfältige Weise die Gesundheit gegenwärtiger, vor allem aber zukünftig lebender Menschen", heißt es in dem Papier. Die Dringlichkeit dieses Themas könne nicht ausreichend betont werden.

Doch die Sichtweise des Menschen in Bezug auf seine Umwelt und vice versa war nicht immer die heutige. Im 17. Jahrhundert betrachtete Descartes die Umwelt als eine Reihe von Objekten, die dem Menschen zur Verfügung stehen, weswegen der Mensch auf seine Umwelt keine Rücksicht nehmen brauche. Die Umwelt sei utilitaristisch als Ressource anzusehen, aus der man bedenkenlos und uneingeschränkt schöpfen könne.

Fünf Herausforderungen

Dagegen beschrieb der Naturforscher Alexander von Humboldt bereits vor 200 Jahren die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt als ein eng verflochtenes Netzwerk, ohne das der Mensch nicht existieren kann. Schon damals sagte Humboldt den Klimawandel voraus und begründete die moderne Umweltethik.

"Um die Herausforderungen der Gegenwart zu lösen, braucht es Ansätze und Handlungsweisen, die in ganzheitlicher Weise die Lebens- und Umwelten von Menschen in enger Beziehung zu anderen Lebewesen und der Natur als solcher betrachten", schreibt die Bioethikkommission.

Dabei nennt sie fünf Herausforderungen für ethisches Handeln. Deren Lösung erfordere die Zusammenarbeit einer Vielzahl an Disziplinen und Politikfeldern.

Die erste ethische Herausforderung betreffe fundamentale Bedürfnisse und Rechte von Menschen. Denn die globalen Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich auch in einer Beeinträchtigung der Gesundheit und der sozialen Sicherheit von Milliarden von Menschen. Naturkatastrophen und Hitzewellen fordern Todesfälle. Zudem hätten die derzeitigen Emissionen "tief greifende Auswirkungen" auf die kommenden Generationen.

Die Bioethikkommission verweist auch auf die globale Dimension des Problems, denn Treibhausgasemissionen haben, unabhängig von ihrer Quelle, überall auf dem Planeten Auswirkungen. Die vierte Herausforderung sei "die Leugnung des Klimawandels" sowie dessen Folgen. Doch sei die Glaubwürdigkeit wesentlich, um zu erreichen, dass die Bevölkerung in ihrem Konsumverhalten entsprechend agiere. Die fünfte ethische Herausforderung bestehe darin, dass "unsere theoretischen Werkzeuge in vielen der relevanten Bereiche unterentwickelt sind". Erschwert werde die Entwicklung fehlender Werkzeuge allerdings auch durch mangelnde Forschungsförderung, heißt es im Papier.

Allgemein und Medien

Vor diesem komplexen Hintergrund spricht die Kommission, die im Bundeskanzleramt angesiedelt ist und zahlreiche hochkarätige österreichische Forschende umfasst, 18 Empfehlungen aus. So sollte die Staatszielbestimmung des umfassendes Umweltschutzes um den Aspekt des Klimaschutzes und die Umsetzung der Klimaneutralität ergänzt werden. Die Regierung habe Sorge zu tragen, sich international für eine maßgebliche globale Reduktion von Treibhausgasen einzusetzen. Die Erweiterung der in Österreich geltenden Grundrechte um ein subjektives Grundrecht auf Klimaschutz sollte erörtert werden.

Des Weiteren sei eine nachhaltige Reform der Raumordnung dringend erforderlich, um den überbordenden Flächenverbrauch deutlich zu reduzieren. Um die Versorgungssicherheit zu erhalten, müsse der forcierte Ausbau der erneuerbaren Energie durch Maßnahmen zur strukturellen Reduktion der Energienachfrage bzw. Energieeinsparung begleitet werden. Zur Verringerung von Emissionen aus Transport und Verkehr sei ein umfassendes Maßnahmenpaket erforderlich, das darauf abzielt, den Zugang zu Personen, Gütern, Dienstleistungen und Orten klimaneutral zu gestalten. Zudem sei die öffentliche Förderung klimaschädlicher Aktivitäten (unter Berücksichtigung vulnerabler Gruppen) dringend zu reformieren und mittelfristig vollständig einzustellen.

Empfehlungen gibt es auch im Bereich Medien. So sollten die Medienförderung sowie Inserate öffentlicher Behörden zukünftig im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten an Qualitätsrichtlinien gekoppelt werden. Der österreichische Presserat sollte zur Setzung von Regeln für die Klimakrisenberichterstattung aufgefordert werden. Die Kollaboration zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus zur Vermittlung der Komplexität der Klimakrise sollte gefördert werden. Und die Werbung für klimaschädliche Produkte sollte entsprechend gekennzeichnet werden.

Forschung und Bildung

Für die Bereiche Forschung und Bildung empfiehlt die Bioethikkommission, dass Projekte über Klimakrise und Folgen von der Regierung schwerpunktmäßig gefördert werden sollten. Pathogene Faktoren, wie etwa Viren, müssten besser erforscht und überwacht werden, damit Verschiebungen im Artenspektrum in der Klimakrise besser verfolgt und potenzielle Krankheitserreger rasch identifiziert und bekämpft werden können. Zudem sollten die Klimakrise und ihre Folgen in den Bildungskanon aufgenommen werden. Zu guter Letzt brauche es auf allen Ebenen technischer Berufe verstärkte Anreize zur Ausbildungs- und Berufswahl mit gezielten Schwerpunkten in den Bereichen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, um den akuten und steigenden Fachkräftemangel zu beheben.(gral)