Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Umweltbundesamt in Berlin rechnen mit schädlichen Folgen für die Umwelt aus den Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Der hohe Gasaustritt an den zerstörten Nord-Stream-Rohren bedrohe das Kima. Der Gasaustritt könnte mehr als 350.000 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases Methan in die Atmosphäre bringen. Das berichtet der "Norddeutsche Rundfunk" (NDR).

Schwedens Küstenwache hatte am Freitag ein viertes Gasleck an den beschädigten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee entdeckt. Es wird weitgehend von Sabotage ausgegangen. 
- © afp / Swedish Coast Guard

Schwedens Küstenwache hatte am Freitag ein viertes Gasleck an den beschädigten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee entdeckt. Es wird weitgehend von Sabotage ausgegangen.

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Methan ist laut dem Weltklimarat IPCC über einen Zeitraum von 20 Jahren mehr als 80 Mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid (CO2). Würde das im Gas enthaltene Methan vollständig in die Atmosphäre entweichen, könnten 28,5 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt werden. Wenn nicht gehandelt werde, wäre die Atmosphäre durch die hohen Mengen an klimaschädlichem Methan so bedroht, dass der Kampf gegen die Klimakrise einen massiven Rückschlag erleiden würde, sagt der Geschäftsfüher der DUH, Sascha Müller-Kraenner, zu dem TV-Sender. Die Umwelthilfe fordert daher, das verbleibende Gas aus allen Strängen der Ostsee-Pipelines abzupumpen.

Noch sei allerdings unklar, wie viel Gas sich tatsächlich in den gebrochenen Nord-Stream-Strängen befindet. Auch könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher gesagt werden, wie viel Gas letztendlich entweichen wird. Nord Stream 2 teilte mit, dass sich 177 Millionen Kubikmeter in den beschädigten Rohren befanden. Die Kapazitäten von Nord Stream 1 und 2 sind laut DUH identisch.

Methangas ist eine geruchlose Kohlenwasserstoffverbindung mit der chemischen Formel CH4. Es ist einer von sechs Stoffen, der im Kyoto-Protokoll als Treibhausgas gelistet wird und gilt als eines der bedeutendsten Klimagase. Methan entsteht immer dann, wenn organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff abgebaut wird, der Stoff ist einer der Hauptbestandteile von Erdgas. Es wird unter anderem auch bei der Erdgasgewinnung, beim Steinkohlebergbau, auf Müllhalden und bei der Abwasser- und Klärschlammbehandlung und von Kühen in der Landwirtschaft freigesetzt. Geringfügige Mengen werden durch den Verkehr und die Industrie ausgestoßen.

Schwedens Küstenwache hatte am Freitag ein viertes Gasleck an den beschädigten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee entdeckt. An den Röhren waren Anfang der Woche innerhalb kurzer Zeit in dänischen und schwedischen Gewässern zunächst drei Lecks festgestellt worden. Die genaue Ursache ist unbekannt, es wird aber weitgehend von Sabotage ausgegangen. (dpa, est)