Der Nahrungsverlust durch massenhaftes Korallensterben führt einer neuen Studie zufolge zu "unnötigen" Kämpfen zwischen Fischen und könnte damit zu Artensterben führen. Die Konkurrenz um Nahrung raubt den Tieren wertvolle Energie und gefährdet möglicherweise ihr Überleben, wie aus den am Mittwoch im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten Forschungsergebnissen hervorgeht.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten, wie sich eine Korallenbleiche auf 38 Arten von Falterfischen auswirkt, und beobachteten die Tiere vor und nach der Bleiche. Zu der Korallenbleiche führt der Anstieg der Meerestemperatur als Folge der globalen Erwärmung. Falterfische ernähren sich unter anderem von Korallen. Daher nehme die Nahrungsquelle der Fische schnell ab, sagte Sally Keith, Meeresbiologin an der britischen Lancaster University und Hauptautorin der Studie.

Ihren Angaben zufolge waren besonders Acropora-Korallen von der Bleiche betroffen, die Hauptnahrungsquelle für Falterfische. Dies habe die Situation bei der Nahrungssuche verändert und die verschiedenen Arten von Falterfischen in verstärkte Konkurrenz um andere Korallenarten gebracht.

Nahrung fehlt

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter seien "schockiert" über den Zustand der Korallenriffe nach der Bleiche gewesen: Die Fische seien herumgeschwommen auf der Suche nach Nahrung, die "einfach nicht mehr da war", sagte Keith. "Wir haben in unsere Tauchermasken geweint", schilderte sie.

Die Forscherinnen und Forscher beobachteten rund 3.700 Interaktionen zwischen Falterfischen. Wenn ein Falterfisch einem anderen signalisieren will, dass ein Korallenstück ihm gehört, richtet er seine Nase nach unten und hebt die Rückenflosse. "Es ist fast so, als würde man die Nackenhaare aufstellen", beschrieb Keith.

Wenn das nicht reicht um den Konkurrenten zu vertreiben, jagt ein Fisch den anderen, bis dieser aufgibt - und das mitunter über eine lange Strecke. "Ich habe einmal einen über 50 Meter verfolgt, das war ziemlich anstrengend, sie sind sehr schnell", sagte Keith.

Vor der Korallenbleiche konnten verschiedenen Arten von Falterfischen rund 28 Prozent der Streitfälle mithilfe ihrer Signale klären. Nach der Bleiche sank der Anteil auf zehn Prozent. Das deute auf viele "unnötige Angriffe" hin, heißt es in der Studie.

Fische verhungern

"Fehlentscheidungen darüber, gegen wen sie kämpfen und worein sie ihre wirklich wertvolle Energie investieren, könnten den Ausschlag dafür geben, dass sie letztlich verhungern", sagte Keith über die Falterfische. Nach Angaben der Wissenschafter ist offen, ob sich die Fische schnell genug an die durch die Korallenbleiche ausgelösten Veränderungen anpassen können.

Modellrechnungen zum Klimawandel hatten im vergangenen Jahr ergeben, dass sich selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, das die Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, 99 Prozent der Korallenriffe weltweit nicht erholen könnten. Bei einer Erderwärmung von zwei Grad wären es sogar 100 Prozent. (apa/sws)