Selbst wenn die globale Durchschnittstemperatur um nur 1,5 Grad Celsius steigt, geht bis 2100 die Hälfte der weltweiten Gletscher verloren. Laut Experten lassen die derzeitigen Klimaschutzpläne allerdings plus 2,7 Grad Celsius erwarten, was Mitteleuropa, Westkanada, die USA und Neuseeland bis 2100 weitgehend entgletschern und den Meeresspiegel um 115 Millimeter anheben würde. Das berichtet ein internationales Forschungsteam mit Innsbrucker Beteiligung im Fachblatt "Science".

Das Team um David Rounce von der Carnegie Mellon Universität in den USA, dem Glaziologe Fabien Maussion vom Institut für Atmosphärenwissenschaften der Uni Innsbruck angehörte, stellte in seiner Arbeit ein auf neuen Datensätzen basierendes Prognosemodell für die Zukunft der weltweit 215.547 Gletscher (mit Ausnahme des grönländischen und des antarktischen Eisschildes) unter verschiedenen Klimaszenarien vor. Die Methodik sei gegenüber bisherigen Studien deutlich verbessert worden, es werde das Schicksal aller Gletscher mit bisher einzigartiger Genauigkeit beschrieben, berichtet die Uni Innsbruck.

Verschwinden von bis zu 83 Prozent

Demnach werden die Gletscher selbst in den optimistischsten Szenarien wesentlich mehr Masse verlieren als angenommen. Je nach Ausmaß der Erderwärmung werden sie bis 2100 um 26 Prozent bei plus 1,5 Grad Celsius bis 41 Prozent bei plus 4 Grad Celsius ihrer Masse (bezogen auf das Jahr 2015) verlieren. Dies werde zum Verschwinden von 49 bis 83 Prozent dieser Eismassen führen. Selbst beim derzeit unrealistischen, optimistischen Szenario einer Erwärmung von nur 1,5 Grad Celsius geht bis Endes des Jahrhunderts die Hälfte verloren. Verbunden damit ist auch ein weitaus größerer Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels als angenommen. Dem Modell zufolge wird allein durch die abschmelzenden Gletscher der Meeresspiegels um 90 bis 154 Millimeter steigen.