Es vergeht kaum eine Woche ohne neue Meldungen aus dem angeblich ewigen Eis von Arktis und Antarktis. Oft sind es Horrormeldungen über Klima und Umwelt, manchmal auch nette Episoden wie die vom inzwischen verschollenen Pinguin "Happy Feet", der Mitte des Jahres nach einer 3000 Kilometer langen Reise aus der Antarktis in Neuseeland ankam und durch Rundumbetreuung vor dem Tod durch Erschöpfung bewahrt wurde.

Die Faszination der Polargebiete hat hundert Jahre nach Roald Amundsens Expedition zum Südpol im Dezember 1911 nichts an Wirkung verloren. Das Buch "Arktis und Antarktis" arbeitet den ebenso umfangreichen wie kühlen Stoff populär, aber gründlich auf. Die Geschichte der riskanten und manchmal sogar tödlichen Expeditionen bildet nur einen Teil davon. Viel aktueller sind die aufsehenerregenden Forschungen, die im Satellitenzeitalter mit modernsten technischen Mitteln möglich geworden sind. Sie liefern laufend Ergebnisse über die Veränderung von Klima, Wassertemperatur und Meeresspiegel, wobei gleich hinzuzufügen ist: Das Autorenteam hütet sich vor vorschnellen Schlüssen aus Bergen von Material, über dessen Bedeutung sich auch die Forscher längst nicht einig sind.

Ein Viertel der Landfläche unserer Erde ist (noch) durch Permafrost tiefgekühlt, aber keineswegs ohne Leben. Mit großer und sogar zeichnerischer Hingabe widmen sich die Autoren der Tierwelt im oder nahe dem Eis: den Seevögeln, Pinguinen, Walen und Robben und selbstverständlich den Eisbären, denen der feste Untergrund davonzuschwimmen droht.

"Es gibt wohl kein Gebiet auf der Erde, das dem Menschen die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen so deutlich vor Augen führt", konstatieren die Verfasser nach ihrer literarischen Rundreise durch Grönland und die extrem kalte Antarktis.

Über diese veröffentlichte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) erst vor kurzem eine neue Zustandsmeldung. Die Forscher des Eisbrechers "Polarstern" hätten herausgefunden, dass in den vergangenen 26 Jahren die Wassertemperatur in den Tiefen des Weddelmeeres im südlichsten Atlantik um sechs hundertstel Grad angestiegen sei. Lachhaft, könnte man meinen, für den Expeditionschef Eberhard Fahrbach handelt es sich aber um "eine erhebliche Wärmemenge, die im Ozean gespeichert wird". Die Wärme wurde von Menschen erzeugt.

Der historische Wettlauf des Norwegers Roald Amundsen und des Briten Robert Falcon Scott bildet die Vorlage für eine Art Reality-Story über die Antarktis-Forschung, die der deutsche Publizist Christian Jostmann geschrieben hat: "Das Eis und der Tod." Der Autor nutzte viele Originalquellen - Logbücher, Vortragstexte, Zeitungsmeldungen - über einen unbarmherzigen Wettkampf, den Amundsen gewann und Scott samt seinem Leben verlor. Aber es geht nicht nur um diese beiden.