Wien. Die derzeitige Kältewelle lässt zwar anderes vermuten, für die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur (Boku) werden die Umstellungen aufgrund der bereits stattfindenden klimatischen Veränderungen in Österreich aber "gewaltig" sein. Wirtschaft und Politik würden bei der Bewältigung dieser Herausforderungen auch zunehmend wissenschaftlichen Input brauchen. 2011 wurden im Rahmen des Forschungsprogramms "StartClim" mehrere Projekte abgeschlossen. Ihre und andere Ergebnisse sollen auch in den erstmals 2013 erscheinenden österreichischen Klimabericht einfließen.

Osten sehr trocken


Vor allem der alpine Raum werde von den Veränderungen stark betroffen sein, da der Klimawandel hier schneller passiere als im Großteil Europas, so Kromp-Kolb. Ein weiteres Problemfeld sei der "sehr trockene Osten" Österreichs. Hier würde es in Zukunft vor allem darum gehen, wie man die landwirtschaftliche Produktion "unter wesentlich größerem Hitze- und Trockenheitsstress aufrechterhalten kann" und wie die Böden vor Erosion geschützt werden können.

Mehr Murenabgänge


Ein weiterer Punkt sei die Sicherheit in den alpinen Tälern: Durch das zunehmende Auftauen des Permafrostbodens und den Rückzug der Gletscher würde die Gefahr für Muren, Gerölllawinen und Überschwemmungen vermutlich wachsen. Das liege auch daran, dass in Zukunft in den alpinen Regionen wahrscheinlich mehr Regen als Schnee fallen werde. Dazu komme, dass möglicherweise geschwächte Wälder ihre Schutzfunktion vor Lawinen- und Murenabgängen nicht mehr ganz erfüllen könnten.

Mit diesen Themen setzten sich im vergangenen Jahr insgesamt sieben Forschungsprojekte auseinander, die im Rahmen des Programms "StartClim" gefördert wurden. Die wissenschaftliche Leitung des seit 2003 laufenden Forschungsprogramms hat Kromp-Kolb inne. Im Rahmen eines der Projekte wurde letztes Jahr ein computergestütztes Bewertungsinstrument namens "Saldo-Tool" entwickelt. Das System soll dabei helfen, auf Gemeindeebene Entscheidungen über Maßnahmen zu treffen, die auf die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen abzielen. Wenn mehrere Möglichkeiten gleichzeitig auf Umsetzung drängen, gehe es darum festzustellen, "was den größten Nutzen für die gesamte Gemeinde - und zwar nicht nur wirtschaftlich - mit sich bringt", so die Wissenschafterin. Durchgeführt wurde das Projekt vom Wegener Zentrum der Universität Graz und dem Umweltbundesamt.

Eine Stelle, bei der sich Gemeinden wissenschaftlich zu Fragen der Klimaanpassung beraten lassen könnten, sei gerade im Aufbau. Das 2011 gegründete "Climate Change Center Austria" soll in Zukunft einen Überblick darüber liefern, "wer zu welchem Thema mit Kompetenz etwas sagen kann".

Eine Gesamtschau der Erkenntnisse aus verschiedensten Projekten soll bis 2013 das vom Klima- und Energiefonds geförderte Projekt "APCC" liefern. Die Zielsetzung bestehe darin, "alles was wir in Österreich schon über den Klimawandel wissen, zusammenzutragen", so Kromb-Kolb.