Die Vielfalt an Arten, ob Pflanzen oder Tiere, wird nur scheinbar größer, sagen die Experten. Es gibt zwar plötzlich neue Arten in Europa, die aus anderen Weltregionen stammen, aber die Gesamtzahl der Arten erhöht das nicht. Es ist eher so wie in der Wirtschaft, wo die großen Supermärkte ein vielfältiges Warenangebot signalisieren, aber in den meisten Supermärkten haben sich die gleichen Produkte durchgesetzt, als noch tausende kleine Greißler existierten, war die Gesamtauswahl wesentlich vielfältiger.

Während Pauli vorsichtig im Pflanzenbereich erst in ein paar Jahrzehnten dramatische Auswirkungen des Klimawandels erwartet, rechnet Komposch bei der heimischen Fauna rasch mit dramatischen Veränderungen und erinnert daran, wie der Asiatische Marienkäfer sich innerhalb weniger Jahre in Europa flächendeckend ausbreitete. Wo sich Nischen auftun, werden sie von nachrückenden Arten eingenommen, sagt der Grazer Zoologe.

Das sei für uns Menschen oft nicht angenehm und zeige sich schon in der Zunahme von Allergien gegenüber importierten Pflanzen. Das werde aber noch dramatischer, wenn sich giftige Tiere oder Überträger von Krankheiten hier dauerhaft ansiedeln: "Ich wage zu behaupten, dass wir in wenigen Jahren, vielleicht schon nächstes Jahr, die ersten Opfer von eingeschleppten Malaria-Mücken oder Schwarzen Witwen bei uns sehen werden. Die warten nur darauf, sich bei uns niederzulassen, und wenn es im Durchschnitt nur ein paar Zehntelgrade wärmer wird, können sie hier überleben und es in die nächste Generation schaffen."

Die Forschungen auf diesem Gebiet seien relativ wenig kostenintensiv, aber es sei äußerst wichtig, "einen Indikator bereitzustellen, wo ablesbar ist, wie die Situation wirklich ist", betont Harald Pauli. Was den Klimawandel betrifft, hält er umfassende Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase für das "bei weitem Billigste", was man tun könne, man werde sonst ein Vielfaches ausgeben müssen, um mit den Konsequenzen fertig zu werden.

Christian Komposch tritt dafür ein, neben dem Klimawandel auch die vielen "hausgemachten" Probleme nicht zu vergessen. Wie zuletzt das Hochwasser gezeigt hat, kann sich übertriebene Landnutzung verheerend auswirken. Man müsse bereit sein, die Dynamik der Natur zumindest auf den letzten paar Prozent der naturnahen Flächen zuzulassen.