Stockholm. Der Weltklimarat IPCC hat seine Warnungen vor einer gefährlichen Erderwärmung nochmals verschärft: Es drohe ein um gut ein Drittel höherer Anstieg der Meeresspiegel als bisher vorhergesagt, heißt es in einem neuen Bericht, der am Freitag in Stockholm verabschiedet wurde. Außerdem sei zu befürchten, dass die Weltgemeinschaft bei der Begrenzung des Temperaturanstiegs ihr Zwei-Grad-Ziel verfehlen wird.

Die Meeresspiegel könnten bis zum Jahr 2100 je nach Szenario um 26 bis 82 Zentimeter zu steigen, warnt der IPCC im ersten Teil seines fünften Sachstandsberichts. In seinem vorherigen Rapport von 2007 hatte der IPCC noch Anstiege zwischen von 18 bis 59 Zentimetern vorhergesagt. Durch den höheren Meeresspiegel könnten Inseln und Küstengebiete dauerhaft überflutet werden.

Die vier Szenarien der Bedrohung
Zur Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts stellte der IPCC vier Szenarien vor. Das optimistischste Szenario umfasst eine Spanne zwischen 0,3 und 1,7 Grad Celsius, im mathematischen Mittel also 1,0 Grad. Das schlimmste Szenario kommt dagegen auf einen Temperaturanstieg zwischen 2,6 und 4,8 Grad, im Mittel also 3,7 Grad. Bei all diesen Werten muss noch berücksichtigt werden, dass die Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um etwa 0,8 Grad angestiegen ist.

Bei einem Temperaturanstieg um mehr als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter fürchten Wissenschafter kaum beherrschbare Umweltfolgen. So würde etwa das Risiko für Dürren und Stürme steigen. In den Beratungen über ein neues weltweites Klimaschutzabkommen, das bis 2015 stehen soll, hatte sich die internationale Gemeinschaft daher grundsätzlich auf das Zwei-Grad-Ziel verständigt.

Eine wesentliche Grundlage
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in einer Videobotschaft, der neue "unparteiische" Bericht des IPCC sei eine wesentliche Grundlage für ein neues ehrgeiziges Klimaschutzabkommen. Der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe I des IPCC, Thomas Stocker, mahnte in Stockholm: "Eine Begrenzung des Klimawandels erfordert eine substantielle und anhaltende Verringerung der Treibhausgasemissionen."

Dass der Mensch die Hauptverantwortung für die Erderwärmung trägt, hält der IPCC für praktisch gesichert. Hatte das UN-Gremium die Wahrscheinlichkeit im vierten Sachstandsbericht noch mit 90 Prozent angegeben, bezeichnete er die These nun als "extrem wahrscheinlich" - ein Begriff, der eine Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent umschreibt.

NGOs rufen zu raschem Handeln auf
Die großen Umweltschutzorganisationen haben mit Appellen zum raschen Handeln auf die Präsentation des Weltklimaberichts reagiert. Greenpeace, Global 2000 und der WWF forderten die Regierungen dazu auf, die Warnungen der internationalen Wissenschafter ernst zu nehmen. "Der wissenschaftliche Konsens ist so groß wie nie. Heute leugnet kaum noch jemand, dass der Klimawandel zum überwiegenden Teil von Menschen verursacht wird", so Julia Kerschbaumsteiner, Klimasprecherin von Greenpeace.

Die 36-seitige Zusammenfassung des ersten Berichtsteils hatten die 195 Mitgliedsstaaten des IPCC seit Montag Wort für Wort verabschiedet. Der komplette Text des Berichtsteils soll am Montag kommender Woche auf der IPCC-Webseite freigeschaltet werden. Das mehrere hundert Seiten umfassende Dokument beschäftigt sich mit den klimatischen Veränderungen und deren Ursachen. Im März und April folgen die beiden Berichtsteile zu den Auswirkungen des Klimawandels und Anpassungsstrategien sowie zu den Möglichkeiten einer Abmilderung des Klimawandels. Die Zusammenfassung aller Ergebnisse erscheint Ende Oktober 2014.

Der IPCC war 1988 gegründet worden, um die politischen Entscheidungsträger in aller Welt möglichst umfassend und objektiv über den Stand der Klimaforschung zu informieren. Das Gremium forscht nicht selbst, sondern trägt die Ergebnisse in seinen Sachstandsberichten zusammen. Am neuen Bericht haben 830 Hauptautoren in aller Welt mitgearbeitet.