Wien. (ski) "Österreich hat sich im Kyoto-Vertrag verpflichtet, Treibhausgasemissionen (als Mittelwert der Jahre 2008-2012) gegenüber 1990 um 13 Prozent zu reduzieren. Tatsächlich kam es hochgerechnet - die Zahlen von 2012 sind noch nicht verfügbar - zu einer Zunahme um 19 Prozent. Damit weichen wir um 32 Prozent vom Ziel ab."

Das sagte der Grazer Systemwissenschafter Wilfried Winiwarter, stellvertretender Vorsitzender der neuen Kommission "Klima und Luftqualität" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), gestern, Freitag, am Rande einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation dieser Kommission, welche die mit Ende 2012 eingestellte "Kommission für Reinhaltung der Luft" ablöst.

"Wir leiden an einem viel zu großen Ausmaß an Mobilität", beklagt Marianne Popp, Ökologin an der Uni Wien und Vorsitzende der neuen Kommission. Neben einem totalen Rauchverbot in Lokalen - die gegenwärtige Regelung in Österreich sei "schauerlich" - befürwortet sie im Sinne reinerer Luft ein allgemeines Tempolimit von 80 km/h. Leider reagiere die Politik nicht auf die Erkenntnisse der Wissenschaft, das habe jüngst wieder die Klimakonferenz in Warschau gezeigt.

"Die Diskussion um den Klimawandel stockt. Wir müssen einen Schwenk machen und aufzeigen, dass Maßnahmen im Klimaschutz positive Wirkungen haben." Helga Kromp-Kolb, Klimaforscherin an der Universität für Bodenkultur in Wien, will den Klimawandel künftig als "keine Bedrohung, sondern als Hoffnungsgebiet" darstellen. Er gebe den Anreiz, neue Technologien zu entwickeln, diese reichten aber als Lösung nicht aus, es seien auch Änderungen des Lebensstils nötig. Dies würde zugleich aber eine Bereicherung des Lebens bringen, meinte Kromp-Kolb. Der Klimawandel sei ein langer Prozess mit allmählichen Veränderungen, man müsse aber darauf reagieren, bevor ein Stadium erreicht sei, "wo wir nicht mehr reagieren können". Im Juni 2014 werde der APCC (Austrian Panel on Climate Change), das heimische Pendant zum Weltklimarat IPCC, zur Lage in Österreich Bericht erstatten.

"Jede Dekade, die wir nichts tun, bekommen wir ein halbes Grad mehr an Temperatur und vergrößern das Problem", ergänzte der deutsche Klimaexperte Sönke Zaehle vom Max Planck Institut für Biochemie in Jena. Eine Zunahme der "Schnittpunkte" von Klimaschutz und Luftreinheit konstatiert Thomas Karl vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Uni Innsbruck.