Dreht sich ein Wirbelsturm besonders schnell, kann sich wie hier ein Auge bilden. - © Corbis/NOAA
Dreht sich ein Wirbelsturm besonders schnell, kann sich wie hier ein Auge bilden. - © Corbis/NOAA

Wisconsin/Wien. Sie tragen klingende Namen wie Andrew, Sandy, Haiyan oder Nargis und bilden sich für gewöhnlich nur in den Tropen oder Subtropen. Sie können sich im Durchmesser hunderte Kilometer weit ausdehnen und bringen für Land und Leute Verwüstung und Zerstörung. Der Taifun Haiyan hatte 2013 gar mit Spitzengeschwindigkeiten in Höhe von 300 Stundenkilometer für einen Ausnahmezustand gesorgt, dessen Auswirkungen für die Bevölkerung auf den Philippinen bis heute massiv zu spüren sind.

Doch tropische Wirbelstürme, wie sie vor allem im Spätsommer und Herbst vermehrt vorkommen, werden vermutlich nicht ein bloßes Phänomen der eigentlichen Tropen bleiben, wie eine aktuelle Studie von US-Wissenschaftern zeigt. Denn jedes Jahrzehnt verlagert sich deren Erscheinung den Daten zufolge um rund 60 Kilometer, sowohl im Norden als auch im Süden, in Richtung der Pole. Obwohl die beteiligten Forscher weiterhin auf der Suche nach den atmosphärischen Mechanismen sind, die dahinterstehen, ist ihnen klar, dass dieser globale Trend grundsätzlich im Einklang mit der Klimaerwärmung zu sehen ist.

"Ob eine direkte Verbindung zur Ausdehnung der Tropen oder zu menschlichen Einflüssen wie der Zunahme von Treibhausgasen und Feinstaub besteht, wird der Inhalt längerfristiger Untersuchungen sein", stellt Jim Kossin von der Universität von Wisconsin-Madison fest. Die ideale Bedingung für die Entstehung tropischer Wirbelstürme ist grundsätzlich auf jeden Fall eine Wassertemperatur in Höhe von 28 bis 30 Grad Celsius.

Wasserknappheit


Vor allem die Küstenstädte sind regelmäßig von Hurrikanen, Taifunen oder Zyklonen bedroht. Doch das Risiko, Überschwemmungen oder Sturmfluten infolge von großen Stürmen ausgesetzt zu sein, nimmt in Regionen nahe dem Äquator nach und nach ab, erklärt Kossin. Dann könnte es weniger regnen. Da die Bevölkerung aber auf die Niederschläge, die die Wirbelstürme mit sich bringen, angewiesen ist, könnte es in fernerer Zukunft zu Wasserknappheit kommen.

Stattdessen werden Regionen weiter nördlich und südlich des Äquators mit diesen extremen Wetterereignissen konfrontiert sein, betont Co-Autor Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology. Sowohl die Küstenbewohner als auch die örtliche Infrastruktur werden mit den Auswirkungen dieser Extreme zu kämpfen haben.

Für ihre Studie verwendeten die Wissenschafter Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in Washington aus dem Zeitraum von 1982 bis 2012. Als Richtwert nahmen sie die Intensität der Wetterextreme. Mit Ausnahme des nördlichen Indischen Ozeans habe jedes Ozeanbecken diese Veränderung erfahren, schreiben die Forscher im Fachblatt Nature.