Tödlicher CO2-Anstieg


"Plastiksäcke am Strand und schwimmende PET-Flaschen sind sehr gut sichtbar. Sie sind igitt und medial darstellbar, aber man kann sie wegräumen. Auch der Anstieg des Meeresspiegels ist schauerhaft, aber er passiert langsam und wir können reagieren, etwa indem wir Menschen übersiedeln", sagt der Meeresforscher. Er bezeichnet Probleme dieser Art als die "Schnittwunden" mariner Ökosysteme. Der CO2-Anstieg sei dagegen wie Krebs: "Die wirklich schweren Krankheiten sieht man nicht. Aber sie verlaufen tödlich." Starkregen, Wirbelstürme und Dürren fordern Menschenleben und Lebensraum. Was aber im Meer vorgeht, bemerken höchstens ein paar Forschungsboote und Fischer, die ihre Fanggebiete verlieren oder verlagern. Der Rest macht sich über das Allgemeingut Meer wenig Gedanken.

Ähnlich wie viele Menschen nur im eigenen Garten kehren, haben die Staaten nur Handhabe in ihren Hoheitsgewässern. Um übernationale Meeresgebiete zu schützen, müssten viele Nationen gemeinsam an einem Strang ziehen. Es gibt an die 600 multinationale Abkommen zur Nutzung küstennaher Gewässer, doch die Hohe See ist ein Gebiet vieler Freiheiten. Seine Nutzung steht laut internationalem Seerecht allen Staaten offen. Keine Instanz kann internationales Meeresgebiet oder nur einen Teil davon vom Boden bis zur Oberfläche unter Schutz stellen.

Gerade deswegen drängt die Zeit. "Wir müssen sofort die CO2-Produktion herunterfahren. Das Meer ist wie ein schwerer Tanker, der ab einem gewissen Punkt nicht mehr umdrehen kann. Wenn wir die von Forschern empfohlenen Ziele weiterhin nicht befolgen, bricht das Meer zusammen. Was dann an Land passiert, ist nicht abzusehen", sagt Gelpke. Erst seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima setzt Deutschland nicht mehr auf Atomstrom. Ob klimarelevante Warnungen wie diese zum Meer erst nach einem weiteren Desaster gehört werden, bleibt abzuwarten.