Wien. Auch bei der günstigsten Ausgangslage hat Österreich laut einer aktuellen Studie ohne weitere Maßnahmen sein CO2-Budget zur Erreichung der Klimaziele im Jahr 2035 aufgebraucht. Das Zwei-Grad-Ziel ist Teil des Pariser Klimavertrags, den Österreich im Vorjahr ratifiziert hat, erinnerte Mitautor und Klima-Experte Karl Steininger von der Universität Graz bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien.

Steininger hat gemeinsam Lukas Meyer - ebenfalls von der Uni Graz - im Auftrag der Initiative "Mutter Erde" den Bericht "Das Treibhausgas-Budget für Österreich" verfasst und dabei aus dem global ab 2017 noch verfügbaren Treibhausgasbudget jenes für Österreich abgeleitet. Dieses sieht nach derzeitigem Wissensstand vor, dass weltweit noch rund 800 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden dürfen, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Für Österreich bleiben so noch rund 1.000 bis maximal 1.500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente über - und dann müsste Schluss sein mit jedweder Treibhausgasemission.

Budget bald ausgeschöpft

"Eine Erhöhung im globalen Schnitt um zwei Grad bedeutet für Österreich eine Temperaturerhöhung im Bereich von 4,5 bis 6,6 Grad Celsius", gab Steininger dabei zu bedenken. Mitautor Meyer betonte, dass man bei der Berechnung zudem ein für Österreich sehr günstiges Modell gewählt habe, da man etwa vom Verursacherprinzip an Ort und Stelle ausgegangen war - eine nachfragebasierte Berechnung hätte eine noch geringere Zuschreibung ergeben. Fakt ist: Bei Beibehaltung des aktuellen Emissionsniveaus wäre dieses Budget selbst im großzügigsten Fall in weniger als 20 Jahren ausgeschöpft, nämlich im Jahr 2035, wie Meyer sagte.

Aktuell sind die Emissionen Österreichs zuletzt aber wieder gestiegen, um 3,2 Prozent im Jahr 2015 und auch 2016 wird wieder ein Plus in ähnlicher Höhe bringen: "Wir haben viele Chancen", sagte Steininger trotz dieser Entwicklung. Als "ernüchternd" bezeichnete Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von Global 2000, die gegenwärtige Bilanz, betonte aber ebenso, dass "die Möglichkeiten für sinnvolle Maßnahmen nahezu unbegrenzt" seien. Notwendig sei dazu aber etwa die integrierte Klima- und Energiestrategie, die er für das kommende Regierungsprogramm einforderte.

Der erste Schritt zur Entlastung des CO2-Budgets müsse jedenfalls nicht gleich notwendigerweise ein völlig veränderter Lebensstil sein, betonte Wahlmüller. Langlebigere und damit umweltschonendere Geräte statt geplanter Obsoleszenz, ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs statt Staus am Weg zum Arbeitsplatz würden durchaus auch im Sinne der Konsumenten sein. Klimaexperte Steininger wies jedoch darauf hin, dass ein baldiges Handeln notwendig sei und dass beispielsweise die 2030-Ziele der EU - 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, 27 Prozent Erneuerbaren-Anteil und 27 Prozent mehr Energieeffizienz - eine "zu laxe" Maßnahme wären.