Manchester/Wien. Um ihre Klimaziele zu erreichen, will die Bundesregierung Anreize für den Erwerb von Elektroautos schaffen. Die Maßnahme löst nicht nur Zustimmung, sondern auch Skepsis aus. Mehr E-Autos würden zunächst zwangsläufig den Stromverbrauch aus fossilen Energieträgern erhöhen. Welche Auswirkungen dies auf die Umwelt haben könnte, lässt eine Studie britischer Forscher erahnen. Das Team der Universität Manchester hat die Emissionen von Mikrowellenherden untersucht. Alle Modelle in der EU emittieren demnach jedes Jahr so viel schädliches Kohlendioxid wie fast sieben Millionen Autos. Den Großteil verursacht der Stromverbrauch der Geräte.

Alejandro Gallego-Schmid vom Institut für Chemie, Ingenieurswissenschaften und Analytische Forschung in Manchester hat mit seinen Kollegen untersucht, welchen Schaden der meistverkaufte Typ Herd von seiner Erzeugung bis zu seiner Verschrottung anrichtet. Der Forscher rechnet damit, dass 2020 insgesamt 135 Millionen Mikrowellenherde in Europas Küchen stehen werden.

In der EU emittieren die Geräte jährlich 7,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder so viel wie 6,8 Millionen Autos. Das ist die Zahl der Pkw, die zusammengenommen in Österreich (4,7 Millionen) und Irland (1,9) unterwegs sind. 20 Prozent der Umweltgifte verursachen Erzeugung und Entsorgung, 80 Prozent gehen auf das Konto des Stromverbrauchs.

Mikrowellenherde benötigen stündlich 9,4 Terrawatt Elektrizität. Um sie zu versorgen, müssen drei Kraftwerke je ein ganzes Jahr arbeiten. Die Geräte verbrauchen innerhalb von acht Jahren Lebensdauer so viel Strom wie eine LED-Lampe, die man sieben Jahre lang rund um die Uhr brennen lässt. Anders als die Leuchte verbringen die Herde jedoch 90 Prozent ihrer Zeit im Stand-by-Modus.

Im Jahr 2025 soll der Mikrowellen-Elektroschrott mit 195.000 Tonnen so viel wie ein Hochseetanker wiegen. "Technische Weiterentwicklungen und sinkende Preise erhöhen Verkäufe. Zudem ist die Lebensdauer der Geräte um sieben Jahre kürzer als noch vor 20 Jahren. Konsumenten setzen auf Neukauf statt Reparatur, Elektronikschrott ist der am schnellsten wachsende Abfallstoff", sagt Gallego-Schmid. Es bestehe Handlungsbedarf bei der Effizienz.

Laut dem Verband Elektromobilität Österreich sind E-Fahrzeuge durch ihren höheren Wirkungsgrad energieeffizienter als Kfz mit Verbrennungsmotoren, sodass der Energieverbrauch trotz höheren Strombedarfs gesenkt werden könne. Voraussetzung sei der Umstieg von fossil auf erneuerbar. Laut der Technischen Universität Wien könnten sich E-Autos bis 2030 zur Gänze aus erneuerbaren Energien speisen. Ein solches Ziel ist laut den Studienautoren auch für Haushaltsgeräte anzustreben.