Wien. Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) schadet dem Klima. In der Erdatmosphäre gilt es als Haupttreiber für die Erderwärmung. Steigen die Temperaturen um mehr als zwei Grad im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung, gilt die Lage als nicht mehr beherrschbar: Meere voller Schmelzwasser überfluten Inseln und Küsten. Stürme und Dürren folgen.

Eine wichtige Maßeinheit um zu ermitteln, wie sehr Umweltfaktoren das Klima verändern, ist die Klimasensitivität. Sie gibt an, um wieviel Grad die weltweite Durchschnittstemperatur steigt, wenn sich die Menge der Treibhausgase in der Atmosphäre verdoppelt. Laut Schätzungen des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) sind das 1,5 bis 4,5 Grad Celsius. Die Klimasensitivität ist somit wesentlicher Bestandteil der Klimaforschung, um Temperaturanstiege zu berechnen.

Es gibt jedoch rund 150 unterschiedliche Berechnungsmethoden, woraus sich auch die hohe Schwankungsbreite erklärt. Eine erst im Dezember des Vorjahres veröffentlichte Studie, in der Fachzeitschrift Nature publiziert, ging davon aus, dass der Anstieg der Temperaturen noch stärker ausfallen werde wie bisher vom Weltklimarat angenommen.

Neue Studie revidiert Prognosen

Eine neue Studie wiederum, die ebenfalls in Nature veröffentlich wurde, kommt nun zu dem Schluss, dass die Klimasensitivität der Atmosphäre geringer sein könnte als in den Berichten des Weltklimarates angegeben.

Mittels einer neuen Berechnungsmethode und Computersimulationen wird die Klimasensitivität aus den Aufzeichnungen der Temperaturen der vergangenen Jahrzehnte abgeleitet. Ergebnis: Falls sich der Kohlenstoffgehalt verdoppelt, wird es um 2,8 Grad wärmer. Die Schwankungsbreite liegt bei 2,2 bis 3,4 Grad. Die vom Weltklimarat geschätzten 4,5 Grad haben der aktuellen Studie zufolge nur eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent.

Allerdings wurde nicht nur der Höchstwert nach unten korrigiert, sondern auch der unterste Wert des Weltklimarates (1,5 Grad) nach oben – nämlich auf 2,2 Grad: Demzufolge ist nicht damit zu rechnen, dass der Anstieg der Temperaturen so niedrig ausfallen könnte wie erhofft.

Da in aktuellen Studie der Mittelwert der Klimasensitivität bei 2,8 Grad Celsius liegt und somit nahe dem des Weltklimarates, der von 3 Grad ausgeht, sieht man alte Forschungsergebnisse durch die neuen Erkenntnisse bestätigt. Davon abgesehen könnten künftige Klimamodelle damit verbessert werden, sagen Klimaforscher. Für politische und wirtschaftliche Maßnahmen ist das aktuelle Ergebnis jedoch nicht relevant, da kein Weg daran vorbeiführt, die CO2-Ausstöße massiv zu reduzieren.