Bereits 2013 hatten Wissenschafter der Universität Oldenburg Mikroplastik in Honig nachgewiesen. Sie gehen davon aus, dass sich die winzigen Kunststoffteilchen aus der Atmosphäre auf Pflanzen und Blüten niederschlagen. Dort nehmen die Bienen sie mit den Pollen auf und tragen sie in die Bienenstöcke. Aber auch mehrere tausend Mikropartikel pro Kubikmeter in der Raumluft der Hersteller-Fabriken könnten zur Verunreinigung von Honig beitragen. Im Rahmen der Studie fand das Forschungsteam Mikrofaserpartikel auch im haushaltsüblichen Zucker.

Die für das freie Auge nicht sichtbaren Partikel wurden sogar im Trinkwasser nachgewiesen. Eine zum Teil erhebliche Konzentration fand ein US-Team jüngst in Wasser, das namhafte Hersteller wie Gerolsteiner, Evian, Nestle oder San Pellegrino in Plastikflaschen abgefüllt hatten. In 93 Prozent der 250 Wasserproben fanden sie Rückstände von Polypropylen, Nylon oder Polyethylenterephthalat (PET) in Konzentrationen von null bis 10.000 Partikel pro Flasche. Die Forscher der New York State University gehen davon aus, dass die Teilchen beim Abfüllprozess ins Wasser gelangt sind.

Jeder Mensch nimmt täglich Plastikpartikel zu sich, die er weder sieht noch spürt. Was diese Gefahr, die niemand wahrnimmt, im Körper bewirkt, ist wenig erforscht. Sie stehen im Verdacht, die Symptome von ADHS und Autismus zu verstärken, die Spermienproduktion abzusenken und das Krebsrisiko zu erhöhen. Noch gibt es allerdings keinen Nachweis, denn die Wissenschaft beginnt erst, die gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik für den Menschen zu untersuchen. "Unklar ist auch, in welchem Umfang den Kunststoffen zugesetzte Verbindungen aus Mikroplastikpartikeln in einen Organismus übergehen und welche Folgen das hat. Unklar ist ebenso, inwiefern Mikroplastikpartikel als Transportmittel für andere Schadstoffe, invasive Organismen und Pathogene dienen", schreibt die deutsche Lebensmittelchemikerin Annette Rexroth vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Bonn in der Fachzeitschrift "Ernährung im Fokus".

Polyethylen und Polypropylen, die beiden häufigsten Standardkunststoffe für Verpackungen auf Erdöl-Basis, bestehen aus verketteten Molekülen, in denen etwaige Schadstoffe weitgehend stabil gebunden sind. Diese verbundenen Moleküle gelten als für Menschen ungefährlich: Größere Teilchen wandern in der Regel unverdaut durch das System und werden ausgeschieden. "Niemand weiß allerdings, welche Komponenten freigesetzt werden und welche Substanzen in unserem Körper ankommen, wenn die Kunststoffpartikel die Nahrungskette mehrere Male durchlaufen", gibt Hanns Michael Moshammer von der Abteilung für Umweltmedizin der Medizinuniversität Wien zu bedenken.

"Welche chemischen Veränderungen Plastikteilchen erfahren, wenn sie zuerst von Verdauungsenzymen von Regenwürmern bearbeitet werden, dann mit Plankton und Fischen durch die Brandung reisen, dann von der menschlichen Magensäure attackiert werden und das Ganze mehrere Male, ist unbekannt", sagt Moshammer. Durchaus möglich sei, dass gebundene Polymere irgend wann wieder zu Monomeren zerfallen. Diese Einzelmoleküle gelten als reaktiv, teilweise toxisch und sogar krebserregend, somit als giftiger als die verbundenen Ausgangssubstanzen. "Es ist schaurig, was passiert, und wir wissen noch viel zu wenig über die Langzeitfolgen", warnt der Umweltmediziner.