Offen ist auch, ob sich die Partikel irgendwann nicht doch im Gewebe einlagern können, wenn sie nur winzig genug werden. "Mikroplastik in Nanometer-Größe könnte über Phagozytose von den Zellen aufgenommen werden, von dort weiter migrieren und Schaden anrichten", sagt er.

Klarer belegt ist die schädliche Wirkung anderer Inhaltsstoffe. Chemische Substanzen bringen Kunststoffe nämlich für bestimmte Funktionen in Form. UV-Schutz macht Plastikgartenstühle sonnenbeständiger. Farben und Lacke färben Kinderspielzeuge bunt. Duftstoffe verleihen Badeenten Vanillegeruch, Weichmacher machen fast jeden Kunststoff geschmeidig. "Der Körper versucht, diese Substanzen zu verarbeiten. Dabei können aber noch giftigere Stoffe entstehen", warnt Hans-Peter Hutter vom Zentrum für Public Health der Medizinuni Wien.

Zusätzliche Inhaltsstoffe schädigen Hormonsystem

Der Weichmacher Bisphenol A etwa öffnet die Tür zur Östrogen-Wirkung in den Zellen. Normalerweise darf nur das reine Östrogen-Molekül aus den Eierstöcken durch diesen Rezeptor eintreten. Doch nun drängt sich auch das Bisphenol A-Molekül durch die Tür. Das Ergebnis ist zu viel Östrogen im Körper. Der Weichmacher wird außerdem mit Stoffwechsel-Störungen und Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht.

Wenn Kinder beim Krabbeln die Finger in den Mund nehmen, schlucken sie unter anderem Staub. Problemstoffe aus Plastik, die dem Staub anhaften, könnten mit ihm vom Darm resorbiert werden. "Es ist unvermeidbar, diese Stoffe aufzunehmen. Sie befinden sich so wie die Rußpartikel sogar in der Atemluft", sagt Hutter: "Wenn zu viele Plastik-Partikel nachkommen, ist die Immunabwehr überfordert." Niemand weiß, mit welchen Folgen.