- © ARC Centre for Coral CoE/gergelytorda
© ARC Centre for Coral CoE/gergelytorda

Townsville/Wien. Die Erwärmung der Meere schreitet voran - mit immer fataleren Folgen. Jüngste Bestandsaufnahmen zeigen, dass fast Drittel des australischen Great Barrier Reef bereits abgestorben zu sein scheint. Besonders marine Hitzewellen machen dem Unesco-Weltnaturerbe zu schaffen, wie australische Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten.

Als Folge der Erderwärmung heizen sich auch die Meere auf - pro Jahrzehnt um etwa 0,12 Grad Celsius. Hinzu kommen kurzfristige, heftige Hitzewellen, die die Oberflächentemperaturen vorübergehend um bis zu fünf Grad ansteigen lassen. Wie die meisten durch den Klimawandel ausgelösten Extremwetter-Ereignisse, werden auch die marinen Hitzewellen immer heißer und häufiger und dauern auch länger an. Sie haben erhebliche Auswirkungen auf die Ökosysteme der Meere, ihre Biodiversität und die damit verbundenen Wirtschaftszweige.

Kühles Wasser lässt Farbe wieder zurückkommen

Terry Hughes und seine Kollegen von der James Cook University im australischen Bundesstaat Queensland haben die Effekte einer marinen Hitzewelle, die den Westpazifik von März bis November 2016 belastete, auf das Great Barrier Reef untersucht. "Im Durchschnitt haben wir in diesen neun Monaten fast 30 Prozent des gesamten Riffs verloren", wird Hughes in einer Aussendung seines Instituts zitiert. "Wenn Korallen in der Hitze ausbleichen, sterben sie entweder - oder sei überleben und gewinnen ihre Farbe nach und nach wieder zurück, wenn das Wasser abkühlt", erläutert Hughes.

Der Meeresbiologe und sein Team haben Satellitendaten zur Temperaturbelastung des 2300 Kilometer langen Korallenriffs infolge der Unterwasser-Hitzewelle ausgewertet. Wie sich zeigte, haben 29 Prozent der 3863 Riffe, die zusammen das größte Korallenriff-System der Welt bilden, im Zuge der extremen Wärmen sogar zwei Drittel ihrer Korallen verloren. "Das Korallensterben senkt den Artenreichtum dramatisch, weil entwickelte und vielfältige Gemeinschaften degradiert werden und nur wenige Arten überleben", warnt Ko-Autor Andrew Baird.

Auch im Folgejahr 2017 ließ der Hitzestress kaum nach. Laut den Forschern sind in seichten Gewässern stellenweise bereits die Hälfte der Korallen verloren, weil sie beide Jahre hintereinander ausbleichen mussten. "Auf der anderen Seite leben immer noch etwa eine Milliarde Korallen im Riff. In den meisten Fällen sind sie härter im Nehmen als ihre bereits verstorbenen Artgenossen", räumt Hughes ein. "Wir müssen das immer noch halb volle Glas schützen, indem wir den Überlebenden dabei helfen, zu genesen. Wenn wir die Treibhausgasemissionen rasch senken, wird sich das Great Barrier Reef wieder erholen."

Eine historische Untersuchung mariner Hitzewellen aus den vergangenen 90 Jahren zeigt, dass die Rettungsarbeiten äußerst schwierig werden könnten. Ein Team der Dalhousie University in Kanada kombinierte lokale Messungen seit 1925 mit Satelliten-Daten.

Auch die Gletscherschmelze erwärmt die Oberfläche

Dabei stellte sich heraus, dass von 1925 bis 2016 die Häufigkeit mariner Hitzewellen weltweit um 34 Prozent zunahm und die durchschnittliche Dauer einer einzelnen Hitzeperiode um 17 Prozent anstieg. Insgesamt sei im Untersuchungszeitraum die Zahl der extremen Hitzetage in den Weltmeeren um 54 Prozent gestiegen. Zwischen 2000 und 2016 registrierten die Forscher dann noch einmal eine Zunahme um satte 82 Prozent gegenüber dem Zeitraum zwischen 1982 und 1998.

Doch der Kampf gegen die Meereserwärmung muss an mehreren Fronten geführt werden. Ein Team der University of Tasmania berichtet in diesem Zusammenhang über den Beitrag der arktischen Gletscherschmelze. Demnach senkt das geschmolzene Eis den Salzgehalt an der Wasseroberfläche und erhöhe ihre Fähigkeit, Wärme aufzunehmen. Das habe zur Folge, dass sich im Winter die Wasserschichten nicht mehr bis in die Tiefen durchmischen.

Warmes Wasser halte sich somit in genau jenen Schichten, in denen es von unten neue Eisgletscher schmilzt. Der Prozess verlangsamt laut den Forschern auch die Meeresströmung, zu deren natürlichen Funktion die Aufnahme von Hitze und CO2 zählt.